What goes around comes around – warum man tut, was man tut

Ali Mahlodji Iran

1981

… wurde ich geboren, im Iran – dem Land, mit dem man sehr zäh verhandeln muss, damit es mal zu Einigungen kommt … aktuell wieder der Fall im Atomstreit zwischen den USA und dem Iran.

Aber ist noch mal gut gegangen, hoffen wir mal :-)

Kurze Zeit nach meiner Geburt war der Iran bereits ein gefährliches Pflaster – gerade für Menschen mit freiem Willen, die sich nicht der Zensur und der Diktatur des Regimes unter Ayatollah Khomeini unterwerfen wollten und daher von Einheimischen mit einer Heimat zu Gejagten in einer fremden Zukunft wurden.

Meine Eltern und ich waren auf der Flucht. Sie waren politische Flüchtlinge – abgestempelt durch ihren Freiheitswillen und der Ausdrucksweise, die sich in Demonstrationen und Widerstand im Geiste widerspiegelte.

In einer Nacht und Nebelaktion mussten meine Eltern mit mir fliehen. Wohin, wusste niemand. Eines war klar, nur weg.

Mit Hilfe einer Schlepperbande schafften wir es zur grünen Grenze der Türkei und durchwanderten diese.

Teilweise orientierungslos, teilweise tagelang nur ausharrend in einem Versteck, damit Grenzpatrouillen uns nicht entdeckten und zurück schickten.

Nach tagelanger Flucht fanden meine Eltern Unterschlupf im kurdischen Teil der Türkei, in einem kleinen Bergdorf und warteten … auf was genau, wussten meine Eltern damals nicht.

Ali Mahlodji Türkei

Zur selben Zeit nahm die Familie meiner Mutter Kontakt mit Amnesty International auf und bat um Hilfe, meine Eltern und mich bei dieser Flucht zu unterstützen. Meine Eltern hatten wenig Geld bei sich, nur ihre Reisepässe, aber keine Option für ihre Zukunft und niemand, den sie kannten.

Amnesty International reagierte. Meine Eltern und ich wurden von Vertretern von Amnesty bei unserem Aufenthaltsort in der Türkei besucht und die Lage erfasst. Man einigte sich darauf, dass vielleicht Österreich das richtige Land für uns sein könnte.

Amnesty beschloss darauf hin, Gespräche mit der Österreichischen Regierung bezüglich Asyl für uns aufzunehmen, damit wir nicht in den Iran zurück abgeschoben werden.

2015

Ich lebe in Österreich, in Wien – der lebenswertesten Stadt der Welt.

Einer Stadt, in der ich aus jeder Wasserleitung trinken kann, wenn ich durstig bin – einer Stadt, in der ich in jedes Spital gehen kann, wenn es mir nicht gut geht und mir dies auch leisten kann und einer Stadt, in der man – wenn es einem nicht so gut geht – immer noch auf ein soziales Netz hoffen kann. Ach ja, Bildung ist bei uns auch fast for free.

Ich habe gesunde Hände und Beine, auf denen ich stehen kann. Ich bin Teil einer Bewegung, die das Weltbild von Menschen zu ihrem Guten verändert und damit deren Welt rettet und darf als EU Jugendbotschafter tun, was die Zukunft unserer Jugend wirklich nachhaltig verbessern kann. Und ich bin Österreichischer Staatsbürger.

Den Weg hierher habe ich mir selbst erarbeitet … stimmt nicht ganz und ist eigentlich egoistisch, wenn man es recht bedenkt.

Wir sind neben unserem aktiven Handeln abhängig von Menschen um uns, denen wir nicht egal sind. Denen, die aufstehen, wenn andere Missstände akzeptieren und nicken.

Mein ganzes Leben lang war ich mir bewusst, dass meine Familie und ich ohne Amnesty International vielleicht nicht mehr am Leben wären. Dieser Organisation verdanken wir alles und das ist etwas, dass ich mir selbst immer wieder in Gedanken rufe – das gilt auch für alle Wegbegleiter, die mich in meinem Leben unterstützt haben.

Vor einigen Wochen waren Vertreter von Amnesty International bei uns im Büro, weil wir von whatchado denken, dass wir gemeinsam eine gute und fruchtbare Kooperation auf die Beine stellen können und werden.

Für mich war dies ein kurzer, aber wichtiger und emotionaler Moment. Nach über 30 Jahren konnte ich mich endlich bedanken: Für die Chance, dass meine Familie und ich Gehör fanden. Für die Chance, noch so viel zu erleben. Für die Chance, in der besten Stadt der Welt ein Zuhause zu finden.

Diese Woche bekam ich Post … von Amnesty International … sie bedankten sich bei meinem Team und mir.

#WhatGoesAroundComesAround

Amnesty international Ali Mahldji

 

 

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365 Chancen und die Bereitschaft, sich zu blamieren

Jahreswechsel 2014 auf 2015 … Silvester, Neujahr, xxx … you name ist.

Der Sprung der Minutenzeigers auf 60 oder auf 00 (Auslegungssache) ist jedes Jahr wieder eines der Highlights von Menschen aller Welt. Auch wenn nicht alle zur selben Sekunde aufschreien, so ist sich doch die ganze Welt darüber einig, dass es Zeit für ein neues Jahr wird … egal wie “geil” oder “schrecklick” das vorige war.

Es wäre wohl vermessen zu behaupten, dass jetzt “endlich” alles besser wird … sei es durch zehn Neujahrsvorsätze, von denen man dann neun bricht und beim zehnten sich vornimmt, dieses sicher nächstes Jahr umzusetzen oder durch den Irrglauben, dass sich 2015 die Erde sicher anders dreht als die Jahre zuvor.

Der Jahreswechsel ist in den Köpfen von uns Menschen dem indischen Gott Ganesha (http://de.wikipedia.org/wiki/Ganesha) gleichzusetzen … dem, der für Neuanfang steht. Der, der dabei ist, wenn wir Menschen unser Leben umkrempeln, von heute auf morgen in andere Städte ziehen, eine Beziehung beenden und eine andere anfangen und auch der, der dabei ist, wenn wir beschließen, jetzt doch ins Fitnesscenter zu gehen.

Geht es um Neuanfänge, setze ich eher auf die indische Gottheit als auf den “3-2-1-Happy-New-Year” Counter … verleitet letzteres doch dazu, alles was auf Neuanfang deutet, auf den einen letzten Termin im Jahr aufzuschieben, wogegen der indische Bro Veränderung auch unterjährige supportet.

Ob Ganesha, Silvester, Horoskope … Neuanfänge braucht (manchmal) jeder, einige freiwillig, andere … tja, eben nicht.

Neuanfang ohne Reflektion auf das Alte kann funktionieren, wird auch funktionieren … will man aber nicht die selben Pfade wie bisher treten, ist ein Blick auf die bisherigen Fussstapfen notwendig – ja drängt sich sogar richtig auf, will man wirklich “neu” beginnen.

“Warum war ich bisher nicht glücklich”, “was hat mich zurückgehalten”, etc. – lauter Fragen der Vergangenheit, deren Antworten man schon seit Ewigkeiten mit sich selbst rumträgt.

Reflektion

Reflektion ist die Zeit, in der man die Zeit auch arbeiten lässt … für sich selbst.
Reflektion ist, wenn man bereit ist, sich damit auseinander zu setzen, warum man “scheisse” gebaut hat, obwohl man doch eigentlich nichts schlimmes vorhatte.
Reflektion ist, sich einzugestehen, dass man eigentlich nichts weiß, nie etwas gewusst hat, aber sich selbst zu unsicher war, dies einzugestehen.
Reflektion ist, sich vor Augen zu führen, welche Meilensteine erreicht, welche Drachen besiegt und welche Burgdamen gerettet wurden – es ist das “sich darüber klar werden”, wie viel man weitergebracht hat, obwohl alle um einen herum nur die Pfützen sehen, während “ja eh” die Sonne scheint … halt nur hinter den Wolken.
Reflektion ist, die Waage, die sich Leben nennt, mit all den Dingen aufzufüllen, die sich ausgleichen – mit den guten und den lehrreichen.

365 Chancen

Ich sitze gerade in Barcelona auf einer Anhöhe und blicke seit Tagen aus meinem Zimmer auf die Stadt und das Meer hinab. Das Glück, die Sonne auf meiner Seite zu haben, ermöglicht einen Ausblick, wie man ihn zum Jahreswechsel in Europa wohl nicht vermutet hätte.

Das letzte Jahr hatte – oh Wunder – nur 365 Tage, bot mir aber 365 Möglichkeiten, mich selbst zu challangen. Es war mir Abstand das lehrreichste Jahr meines Lebens, das härteste und auch das genialste … wurde mir doch gezeigt, dass ich bei vielen Dingen erst komplett am Anfang stehe.
Mein Baby WHATCHADO ist längst kein Baby mehr, sondern eher ein Jugendlicher, der gerade aus der Pubertät raus ist und in die weite Welt hinaus will.
Mein Privatleben hat sich in allen Bereichen um 360 Grad gedreht, hat mich durchgeschüttelt und mich an meine Grenzen gebracht und mir gezeigt, welches Glück ich mit den Menscehn um mich herum habe.
Ich habe gesehen, dass ich viele meiner Freunde seit der Gründung von WHATCHADO vernachlässigt habe und es Zeit wird, das berühmte “derzeit hab ich Stress, lass uns doch später treffen” nicht mehr als Ausrede gelten lassen möchte (an diese Stelle ein riesiges SORRY Leute).

Die Angst vor der Angst

Ich habe auch gesehen, dass ich noch sehr viel zu lernen habe und dies noch eine lange Reise sein wird, all das zu erfahren, was ich wissen will.
Ich habe mich 2014 meinen größten Ängsten gestellt, meiner massiven Flugangst und meiner Angst, vor Menschen auf englisch zu sprechen.
Die Angst vor beidem habe ich immer noch, aber ich habe beides akzeptiert und mache es einfach trotzdem. Auch wenn ich in beiden Fällen danach immer ein neues T-Shirt anziehen muss, weil meines bereits komplett durchgeschwitzt ist :)

Vor Menschen auf englisch zu sprechen, war eine Angst, die ich seit meinem 14. Lebensjahr mit mir rumschleppe. Ich habe über 10 Jahre gestottert, habe aus diesem Grund (unter Anderem) auch die Schule hingeschmissen und mir immer Schreckensszenarien ausgemalt, sollte ich mal vor Menschen sprechen müssen.
2012 und 2013 habe ich mit mir selbst gekämpft, um bei Vorträgen der Beste zu werden und 2014 gelernt, dass dies auch auf englisch klappt :)
Die Angst, die ich Anfang 2012 hatte, als ich das erste Mal die Chance hatte, vor Menschen zu sprechen, war nicht die Angst vor dem Vortrag – es war die Angst vor der Angst selbt.
Ich hattet Angst, mich zu blamieren und musste lernen, dass ich ein Mindset entwickeln muss, dass es mir ermöglicht, mich geistig darauf vorzubereiten, mich vor anderen zu blamieren.
2012 habe ich Stunden damit verbracht, mein Stottern auf der Bühen abzulegen – jedes Wochenende stellte ich mich vor einen Spiegel und übte und übte und scheiterte immer wieder. Mal bei dem einen Wort, mal bei dem einen Buchstaben, mal hatte ich komplette Blackouts … und das, obwohl ich komplett alleine im Raum stand und nur ich mein größter Kritiker war.
Es brauchte Wochen und Monate, bis ich begriff, dass ich eigentlich davor Angst hatte, was andere von mir halten würden.

Während einer meiner Übungssessions fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich beschloss, zu testen, was passieren würde, wenn ich (geistig) davon ausging, dass ich mich sowieos blamieren werde. Interessanterweise war es genau die Einstellung, die ich brauchte. Ab diese Sekunde wusste ich, dass es “nur besser” werden kann, weil ich ja nichts zu verlieren hatte.

Zu wissen, dass man sich auf alle Fälle blamieren wird, verschafft einem Freiheit … Freiheit, sich selbst weiterzuentwickeln. Freiheit, nichts für “die Augen anderer” tun zu müssen und die Freiheit, Dinge passieren zu lassen, anstatt sie bis auf den letzten Atemzug zu kontrollieren.

So kam es, dass ich dieses Jahr allen ernstes auf der TEDx Salzburg auftreten durfte – ich war sichtlich nervös, aber “Mum, I did it” und es machte verdammt viel Spaß!

Zu verdanken habe ich das alles Niki Ernst, einem Wegbegleiter, der in mir etwas sah, als ich es selbst noch nicht wusste.

Jeder Tag

Jeder Tag, an dem ich aufwache, ist die “eine” Chance, mein Leben ein Stückchen besser zu machen. Ich muss, und das musste ich erst lernen, nicht immer “das eine große Ding” landen – lieber will ich, dass ich mich Stück für Stück weiterentwickle.
Die letzten drei Jahre haben mir gezeigt, dass das Leben ein Marathon und kein Sprint ist – ein StartUp mitaufzubauen aber ein Marathon im Sprinttempo sein kann.

Von Vorsätzen für das neue Jahr halte ich wenig … eher will ich, dass ich Dinge streiche, um mich auf die richtigen 4-5 Dinge zu fokussieren, die mein Leben bereichern.
Beruflich habe ich mein Ding gefunden und werde alles daran setzen, dass wir uns weiterentwickeln und uns selbst übertreffen.
Was die anderen Sachen betrifft, so kann ich grob sagen, dass es sich um die Themen Familie, Freunde, Gesundheit und Zeit dreht … wohl nichts neues in einer hektischen Welt, aber mit dem Unterschied, dass ich hier ganz gezielt vorgehen werde.
Ich kann nicht alle Freunde immer regelmäßig treffen, aber ich kann dafür sorgen, dass alle unsere Treffen unvergessliche Momente werden. Ich kann sicher nicht immer 3-4 mal die Woche ins Fitnesscenter gehen, aber ich kann mich gezielt darum kümmern, die beste Effizienz herauszuholen und mein Leben so anpassen, dass meine Gesundheit davon profitiert.

Ich habe nur 24 Stunden am Tag … so wie alle Menschen auf dieser Welt, genauso wie Steve Jobs, Angela Merkel, Bobby DeKeyser und meine Mutter … diese richtig zu nutzen wird 2015 der größte Spaß und ich will keine einzige Minute vergeuden, nicht eine.

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Himmel über Berlin

Sonne und Schatten – ein Fazit aus zwei Tagen on the road und drei Flügen

Ich wurde letzte Woche zweimal gebeten, ein bisschen zu beschreiben wie meine Tage aussehen und was ich denke und fühle … gut, hier der Versuch einer Selbstanalyse.

21:46 sitze gerade im Flieger auf der Startbahn in Frankfurt – warten auf den Start Richtung Wien und erfahre gerade, dass ich ja doch während des Starts sogar weiter meinen Laptop verwenden kann … wenn er klein genug ist, Ja, ist er :)

22:01 Gerade gestartet und mitten drin im Steigflug, bist du deppad, das ist eine Wacklerei in der Kurve … in Kürze hoffentlich auf Flughöhe und ca. 10000m über dem Boden und dem Himmel wieder mal ein bisschen näher … leider ohne Sonne, aber dass sie da ist weiß ich auch so :)
Meine Flugangst hab ich auf delay gestellt, weil gerade zu müde, um den Turbulenzen Raum zu geben.

Gestern um die selbe Uhrzeit, wusste ich nicht mehr in welcher Stadt ich gerade bin. Kurz dachte ich, es ist Berlin – nur um mich zu wundern, warum es hier Labskaus gibt, eine typische Speise aus Hamburg. Ja, ich war in Hamburg.

Wenige Stunden davor war ich auf der SMRC14, der Eventreihe, die mein Baby whatchado und das ganze Team nach Deutschland gebracht hatte. Gerade mal zwei Jahre – fast auf den Tag genau – ist es her, dass ich mich mit meiner Lederhose und dem Wiener Schmäh in Deutschland versucht habe – fürs Business war es hervorragend und für neue Freundschaften sowieso.

Es ist gerade mein dritter Flug in zwei Tagen und wenn am 1.1.2015 das neue Jahr eingeläutet wird, habe ich in meiner Schreibtischschublade über fünfzig Flugtickets als Andenken angereichert … ja, es gibt auch bessere Andenken.

Wir werden oft als cooles, bestes, erfolgreiches, younameit-StartUp bezeichnet und haben das Glück und die Ehre, dass wir doch einige Male medial gefeatured wurden und auch immer wieder bei B2B Events, wo unsere Hauptklientel unterwegs ist, uns zu Wort melden dürfen.

Die Bezeichnungen cool, erfolgreich, etc. sind dabei nicht immer die glücklichsten Bezeichnungen, da Erfolg einen Bruder hat, über den die wenigsten sprechen – ungeachtet davon, was als erfolgreich betitelt wird*.

Dieser Bruder hat nicht einen Namen, er hat mehrere. Scheitern, Arbeiten bis zum Umfallen & TryAndError sind nur wenige der Namen, die man doch manchmal in den Mund nimmt.

Gestern Abend noch mit meinem Kindheitsfreund und Co-Founder Jubin in Hamburg unterwegs, war ich heute zur Frankfurter Buchmesse eingeladen, um über das Handbuch der Lebensgeschichten und unsere Erfahrungen aus fast 3000 Lebensgeschichten zu sprechen. Die Frankfurter Buchmesse bitte!! Hallo, der Traum jedes Medienmenschen und ein Erlebnis, dass man gesehen haben sollte. Fachpresse – offline und online Medien und jede Menge neuer Gesichter und Finnlad dieses Jahr als Gastland … es war herrlich.

Eine Woche zuvor sagte mir mein Arzt, dass ich auf meine Stimme achten soll, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass wir allein zwischen August und Dezember ca. 35 mal auf diversen Bühnen auftreten, um den Menschen WHATCHADO näher zu bringen. Bei diesen Auftritten sind im Durchschnitt 50 bis 150 Personen im Publikum – alles potentielle Netzwerkknoten, die unsere Botschaft weitertragen und hier präsent zu sein, ist in der frühen Phase unseres jungen Unternehmens essentiell wichtig.

22:12: Alter, die ersten Turbulenzen … geh bitte

22:14: wieder vorbei, alles gut

Dieser Post ist fast eine Art Fazit der letzten 2,5 Jahre und fasst zusammen, dass jeder Sonnenstrahl einen Schatten hervorbringt und dass diese zwei unweigerlich miteinander verwandt – ja sogar verheiratet – sind.

Dieses Wochenende werde ich nutzen, um runter zu kommen … wie das funktioniert weiß ich noch nicht ganz, aber es wird eine Mischung aus Training, Fussball, lange schlafen und gutes Essen sein – so die Theorie, denn nach jeder voll gepackten Woche kommt ein Loch, dass alles reflektiert, was passiert ist und einen spüren lässt, was man stattdessen nicht gemacht hat, bzw. bewusst hinten dran gestellt hat.

Ich brauche meistens Samstag fast den halben Tag, bis ich meine Mitte gefunden habe – etwas, dass mir an heftigen Arbeitstagen innerhalb von fünf Minuten gelingt und in der “freien” Zeit die Hälfte meiner Nerven kostet. Wenn ich im Urlaub bin, geht das innerhalb von wenigen Stunden, dass ich komplett unten bin, aber da weiß ich auch, dass jetzt Tage kommen, wo es kein Hoch und kein Tief gibt, sondern – zumeist – nur Strand, Sonne, Cocktails und maximal ein halbwilder Affe, der meinem Motorroller auf irgendeiner thailändischen Insel hinterherläuft :)

22:31: es gibt Brötchen und Cafe … geil

In der Nicht-Urlaubszeit hingegen kommt das abwärts nach dem aufwärts wie das Amen im Gebet.
Ehrlicherweise hatte ich es nicht geglaubt, als mir andere Gründer erzählt hatten, dass die Wochenenden das Härteste sind, weil man dort gezwungenermaßen runterkommt (ist ja sonst fast kein anderer im Dienst) und sich plötzlich im Strudel von Gedankenverwirrungen wieder findet und nicht weiß, ob man jetzt einfach in einem Cafe entspannen soll oder doch lieber noch den einen Vertrag lesen soll oder vielleicht doch noch die Präsentation für nächste Woche vorbereiten soll.

Und ehe man sich versieht, ist es Samstag Abend und man weiß, dass kommende Woche noch so viele Themen anstehen, dass man lieber Sonntag Mittag mit der Vorbereitung beginnen sollte. Ja, bisschen stressig ist es manchmal schon und ja, die – noch nicht vorhandenen – grauen Haare lassen grüßen.

Im Endeffekt weiß ich jetzt schon, dass ich bis Ende November knapp zehn Abende und teilweise Tage habe, die es mir erlauben, mich Freunden und Familie zu widmen. Diese sind aber heilig.

Ich habe nicht vor, mich zu beklagen … habe ich mir dieses Leben doch selbst ausgesucht und weiß, dass es da draußen hunderte, tausende Menschen gibt, die sich auf die Reise der Firmengründung eingelassen haben. Ja, es ist eine Reise – kein Sprint, sondern ein Marathon – der aber im Sprinttempo stattfindet und garantiert, dass man am Ende der Teil-Strecke ein anderer Mensch ist.

Wer war dieser Mensch 2012?

Es kommt der Punkt, an dem man zurückblickt und sich die Frage stellt, wer man noch vor wenigen Jahren war. Man sieht sich selbst an und realisiert, dass es im Leben immer irgendwie weitergeht und Ängste und Sorgen, die man vor Kurzem noch hatte, genau die Dinge waren, die einen am Weitesten gebracht haben.

Man erkennt, dass es nur darum geht, niemals aufzugeben und vor allem, dass man verstehen lernt, was man im Leben nicht kann und worin man gut ist.

Dieser Lernprozess ist leider leichter gesagt als getan … in Wahrheit ist es so, dass man – jedes Mal, wenn man denkt, dass man es verstanden hat – wieder bei null anfängt, nur um zu verstehen, dass man eigentich eh am richtigen Weg war und nur aus falschen Zweifeln halbe Entscheidungen getroffen hat, die einen auf den falschen Pfad geführt haben. Klingt kompliziert, ist es aber nicht :)

Man erkennt, dass es im Leben immer wieder Menschen sind, die einem die Wegmarken setzen und dass es im Leben nicht viel braucht, um Erinnerungen zu sammeln, die einem vielleicht eines Tages am Sterbebett eine wundervoll bunte Revue des eigenen Lebens präsentieren.

Bevor ich gegründet habe, dachte ich das Erfolg ein Produkt der eigenen Leistung ist – ich musste aber erkennen, dass es – neben der eigenen Leistung – auch ein Abfallprodukt von mehrern Bruchlandungen ist und dass jeder Erfolg umso besser schmeckt und riecht, wenn man sich seine geschundenen Knie ansieht und weiß, dass jede Narbe verdammt noch mal echt verdient wurde.

Und nochmal, ich bin nicht der Einzige, dem es so geht und nein, ich bin nicht arm, mitleidungsbedürftig oder sonst was – it’s part of the deal. Will man verdammt noch mal die Welt retten, kann man dies nicht mit den Händen im Hosensack tun. Das wird euch jeder bestätigen, der es tut oder versucht hat.

Ich bin kommende Woche zwei Nächte in Zürich und beende die Woche mit einem der dankbarsten Teile meines Jobs, nämlich Vorträgen in Schulen. Wenn es gut geht, zusammen mit unserem Minister Hundstorfer. Dann gehe ich ins Wochenende und bereite mich auf die kommenden Wochen vor, wo wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sind – ja, so ist das im Herbst immer und das ist gut so :)

Als ich heute in der S-Bahn von der Messe Frankfurt zum Airport fuhr und meiner Musik lauschte, merkte ich, wie müde und leer ich war. Müdigkeit und “ich habs mir selbst ausgesucht, wie geil ist das denn”-Glücksgefühle gaben sich quasi die Klinke in die Hand.
Jedem Glücksgefühl folgten konstant Sorgen über alle möglichen Themen, die man nicht ausschalten kann. Jeder kennt das – wenn man müde ist, ist alles schnell mal ein Problem und eine Sorge.
Ist man fit, geht alles easy – und die Probleme sind plötzlich Herausforderungen :)

Im Grunde geht es mir um eine Sache, die normalerweise totgeschwiegen wird, aber einen wichtigen Bereich unseres Lebens ausmacht. Das Umgehen mit den nicht immer schönen Seiten von sonnigen Tagen. Es ist einfach keine Ausnahme, sondern die Regel, dass hell auf dunkel folgt und umgekehrt.

So oft wie in den letzten Tagen habe ich noch nie gehört, dass ich viel unterwegs bin und ich doch irre müde sein muss und dann werde ich immer gefragt, ob das denn gesund sei und wie lange ich das noch mache.

Meine Antwort ist mittlerweile fast immer die Selbe: “ich habe es mir selbst ausgesucht, ich lebe ein Leben, dass ich selbst bestimme … und das mache ich so lange, bis es mir keinen Spaß mehr macht … aber das kann noch eine sehr lange Zeit dauern.”

Ende – wir sind in Parking position und der halbe Flieger hat Stress, dass sie wohl nicht aussteigen dürfen :)

23:50 Nachtrag: kein einziges car2go am Flughafen und die letzte Schnellbahn geht erst in 27 Minuten. Wird heut doch noch später, aber hey … bin schon lang nicht mehr um Mitternacht Schnellbahn gefahren – vielleicht wirds ja lustig.

Gute Nacht.
*Ich persönlich denke, ein Unternehmen – egal ob StartUp oder Konzern – ist dann erfolgreich, wenn es jedes Jahr ein besseres Unternehmen als das Jahr zuvor ist und auf dem Weg dorthin nicht das Geld ausgeht.

Future Recruiting Camp - Frank Sitta und Stefan Person

Jede Reise ist nur so gut wie ihre Wegbegleiter

“Vergiss niemals, wo du herkommst und die Menschen, die dich auf diesem Weg begleitet haben.” — Meine Eltern

 

10. Oktober, 2012 — Mittagszeit — WHATCHADO tritt das erste Mal in Hamburg bei der Social Media Recruiting Conference auf.

10. Oktober, 2012 — Nachmittag — Robindro Ullah von der Deutschen Bahn sagt zu, als erstes Unternehmen WHATCHADO in Deutschland umzusetzen.

Jänner, 2013 — erste Dreharbeiten in Deutschland bei der Deutschen Bahn und damit der Start für WHATCHADO in Deutschland. Zwar 2 Jahre zu früh laut damaliger Planung, aber das Beste, dass uns hätte passieren können.

Oktober, 2014 — back to the roots

WHATCHADO ist schon ein sehr cooles Konzept, ehrlich — ich steh drauf … vielleicht auch, weil ich einer der Mitgründer bin und finde, dass wir damit echt die Welt retten.

Klingt arrogant, oder? Naja, im Grunde geht es ja darum, im Leben zu sich und seinen Dingen zu stehen — ob im Guten oder im Schlechten. Und ich finde eben, dass WHATCHADO echt echt rockt.

Denke ich aber, dass wir unseren Erfolg nur uns verdanken? Wohl kaum.

Wegbegleiter — die Menschen, die dich pushen, ohne das du es merkst

Teil jeder Umsetzung sind Wegbegleiter, die einen pushen, fördern und fordern — manchmal merkt man es, manchmal nicht. Und doch sind sie da und bestimmen mit, wie dein Leben verläuft.

In wenigen Wochen bin ich wieder in Hamburg — meiner Meinung nach ja die geheime Hauptstadt Deutschlands und eine der schönsten Städte in Europa.

Dass WHATCHADO in Deutschland ist und ich in Kürze wieder in Hamburg, verdanke ich einigen wenigen Menschen, deren Impact größer war, als sie es vielleicht selbst wissen — sowohl beruflich als auch — und das ist das Wichtigste — menschlich.

10253802_10152029358180947_674830817771952869_nDass ich im Oktober 2012 in Hamburg WHATCHADO vorstellen durfte und als Resultat plötzlich die Deutsche Bahn auf uns gesetzt hat, verdanke ich einigen wenigen Menschen, deren Präsenz sich in den letzten Jahren immer und immer wieder in mein Leben eingebrannt hat.

Jörn Hendrik (@jormason) hatte mich im Juni 2012 kurzfristig auf Twitter zur SMRC (Social Media Recruiting Conference) als Vortragenden eingeladen, nachdem er dort am 1. Tag der Konferenz von uns gehört hatte.

Er war zu dem Zeitpunkt einer der Mitorganisatoren und hatte nach kurzem Twittertalk mit mir beschlossen, dass ich am nächsten Tag dort vor Ort die OpenKeynote halten sollte. Uns gab es zu dieser Zeit gerade mal 6 Monate, aber wir bekamen die Chance — im Nachhinein betrachtet recht krass ☺

Vor Ort versuchte ich, so gut wie möglich aufzutreten — war aber durch und durch nervös, weil es gerade mal mein 4. oder 5. Auftritt als WHATCHADO CEO war.

Was danach passierte, war recht verrückt. Frank Sitta, Stefan Person und Jan Kirchner — die Veranstalter der SMRC — fragten mich, ob ich mir vorstellen könnte, in Hamburg bei der SMRC im Oktober 2012 aufzutreten. Was ich auch dankend annahm, ohne zu ahnen, was auf uns zukommt ☺

Frank & Stefan — zwei, die wissen was sie tun

6. September, 2014 — 2 Jahre und einge gemeinsame Events später, die sich von Halle bis nach Eisenach gezogen haben, habe ich Frank und Stefan — die Helden hinter der SMRC — nicht nur besser kennengelernt — nein, ich habe sie ins Herz geschlossen.

Fachlich gesehen, sind ihre Events sowieso top

  • Future Recruiting Camp: Wenn es um kollaboratives Erarbeiten von Zukunftsthemen geht, die schon heute das Recruiting weiterbringen. Hier werden Themen positioniert und besprochen, die Mut benötigen, um diese umzusetzen, aber langfristig unumgänglich sind für gute HR Arbeit. JA!FutureRecruitingCamp WartburgDer Event fand auf der Wartburg statt — einer genialen Burg, auf der auch Martin Luther wirkte — die coolste Location, die ich je gesehen habe ☺
  • Mitteldeutsche Personaltagung: Es ist komplett klar, dass gerade KMUs das Fundament einer guten Wirtschaft sind und genau dieser Bereich wird hier abgedeckt. Vorträge, Diskussionen und eine eigene Fachausstellung garantieren, dass der Event einen selbst weiterentwickelt — sei es um weitere Ideen oder konkrete Umsetzungtips.Mitteldeutsche Personaltagung

Ich hatte das echte Glück, überall dabei sein zu dürfen und mich mit ihnen weiterzuentwickeln.

Der Weg, der noch vor uns liegt

Am 9. Oktober, 2014 werde ich bei der SMRC#14 darüber sprechen, wo wir heute stehen und welche Erfahrungen wir im Personalbereich gesammelt haben, wenn es darum geht, gute Geschichten zu erzählen.

Ich freue mich auf alle neuen und bekannten Gesichter, auf Hamburg und auf den fachlichen Austausch.

Wer dabei sein möchte, einige wenige Tickets gibt es noch.

Die Entscheidung, ein StartUp zu gründen – worauf mich niemand vorbereitet hat

Ehrlich … hätte ich gewusst, was mir alles bevor steht, als ich im Oktober 2011 beschloss, dass ich ein StartUp mitgründe … ich glaube, ich hätte davor noch mal eine Kur und eine halbe Weltreise gemacht.

Jaja, ich weiß eh alles … oder doch nicht?

Nach fast 10 Jahren Berufserfahrung in mehr als 6 Branchen, darunter auch in Leitungsfunktionen, dachte ich, dass ich vieles schon weiß oder auf vieles schon vorbereitet sei.
Ich dachte, dass ich mittlerweile damit umgehen kann, wenn Unerwartetes sich vor mir auftut und ich ins kalte Wasser springen muss – auch wenn ich davon (wirklich!) absolut keinen Schimmer habe.

Es war ja sonst in meinem Leben auch nie schwer, sich in unentdeckte Gebiete zu schmeissen, sich Aufgaben und Jobs anzunehmen, von denen ich keine Ahnung hatte, aber bereit war, alles zu lernen was dafür notwendig war, um diese umzusetzen.
Ich war von Kindesbeinen immer der, dem gesagt wurde, dass “das ja nicht normal sei” wie ich denke und handle – und trotzdem ging es sich immer gut aus, trotz Schrammen und Wunden.
Egal ob Schulabbruch, Abendstudium, radikaler Jobwechsel über Branchen hinweg, etc. … alles ging sich irgendwie immer aus, auch wenn es immer eine neue Reise war.

Nein, auf das StartUp Leben bereitet dich nichts vor – zumindest hat mich nichts auf das vorbereitet, was in den folgenden zwei Jahren nach der Gründung folgte. Aus einer kleinen naiven Gruppe von 4 Helden ist eine Truppe von über 30 Personen geworden, die an eine Idee glauben, die ich mit 14 Jahren hatte.

Zwei unserer Mitarbeiter haben sogar Kinder … eine Verantwortung, die mich – als unser erster Mitarbeiter mit Kinder bei uns anfing – fast einen Monat lang nicht schliefen ließ.

Vom Wohnzimmer in die “Firma”

Von einem kleinen 4x4m Büro und meinem Wohnzimmer, in dem die Geschichte seinen Anfang nahm, sind wir in eine echtes Büro mit genug Zimmern für alle Mitarbeiter gezogen und ja, wir haben sogar genug Türen, sodass man in Ruhe arbeiten kann. 5 Toiletten und 2 Cafemaschinen runden das Bild des “Unternehmens”, der “Firma”, der “GmbH” ab.

WHATCHADO Team 2012

Es ist schon verrückt, was das richtige Team zustande bringt … was Anfangs als banale Idee begann, ist heute eine der innovativsten HR Lösungen für Österreich, Deutschland und Schweiz mit über 2000 Berufsbildern aus über 5 Kontinenten, ausgezeichnet mit dem UN World Summit Award und erst vor zwei Wochen schrieb die Süddeutsche einen Artikel über uns mit dem Titel “Das Leben der Anderen”.

Ich sitze gerade in der Steiermark in St. Michael, es ist 2:00 früh und ich könnte auf mein Team nicht stolzer sein.
Diese Gruppe aus Träumern, Realisten, Optimisten und Pragmatikern hat etwas erschaffen, dass vielen Menschen dabei hilft, sich selbst auf ihrem Weg zu ihrer Berufung zu finden.

WHATCHADO Weihnachtsgeschenke verschickenWeihnachten 2011 – das Team verschickt scharfe Salamis und handgeschriebene Karten

Und Ende 2011, kurz vor unserer Gründung, reichte unser Horizont nicht mal ganz aus, um für uns selbst die Frage zu beantworten, ob wir jemals aus Österreich hinauswollen, bzw. hinaus können.

Klar, wir wussten, dass WHATCHADO die ganze Welt vernetzen soll, aber wir trauten uns nicht, es auszusprechen, als wir die Dokumente für die Firmengründung vorbereiteten.

Planung vs. “Scheiss drauf, die Chance kommt nie wieder”

Wir waren nicht eine Sekunde darauf vorbereitet, als Ende 2012 der erste deutsche Kunde uns nach Deutschland brachte (nach dem er uns auf einer Konferenz hatte vortragen gesehen). Aber wir gingen trotzdem den Weg, international zu werden … auch wenn wir unsere Hausaufgaben für Österreich noch nicht gemacht hatten. Wir mussten damals eine Entscheidung treffen – wollten wir langsam alles aufbauen oder die Chance nutzen.

Diese eine Chance zu nutzen war ein Segen, der uns und unserer geistigen Vorstellung eine Tür öffnete – bei vielen anderen wahrgenommenen Chancen war es verlorene Liebesmüh und leere Kilometer.

Wenn wir für jedes Mal, als jemand “etwas tolles” mit uns auf die Beine stellen wollte, es aber mangels Arbeitsmoral und -aufwand wieder lies, einen EUR bekommen hätten … Boy, wir hätten die Investmentrunde Anfang 2014 auch mit Kleingeld aufstellen können.

Hast du ein StartUp, ist jede/r um dich ein Experte … wirklich

Es ist ein bisschen so wie beim Fussball. Beim Ländermatch stehen dann plötzlich 40.000 Fussballtrainer auf den Rängen und jeder weiß es besser, weil der eine Freund eines Freundes auch mal in einem Verein einen Ball gekickt hat.

“Geht es langsam an und stresst euch nicht”,
“ihr müsst jede Chance nutzen”,
“wenn ihr zu langsam seid, werdet ihr überholt”,
“lieber mal eine Risikoanalyse machen”,
“Wow, ihr habt es geschafft” (nachdem wir den ersten Kunden hatten),
“wenn ihr alles kontrollieren könnt, seid ihr das Bottleneck”,
“wenn ihr nicht mehr die Kontrolle habt, habt ihr einiges falsche gemacht”
“ihr müsst das investierte Geld verpulvern, damit ihr wachsen könnt”,
“schaut, dass ihr in den ersten 3 Jahren einen Exit hinlegt”,
“lenkt das Unternehmen nicht so, als würdet ihr einen Exit hinlegen wollen”
… und so weiter.

So viele Fragen und Möglichkeiten und am Ende des Tages sind es recht einsame Entscheidungen, für die man gerade stehen muss … gerade dann, wenn es die falschen waren.
Und ganz ehrlich … im Nachhinein, mit dem damaligen Wissensstand, würde ich es bei allen Entscheidungen genauso wieder machen. Woher sollte ich es denn auch besser wissen?

Ich habe das Glück, ein Netzwerk von Unternehmern und Gründern um mich zu haben, die ich immer um Rat bitten kann, aber die letzte Entscheidung nimmt einem dann doch niemand ab.

Teilweise klingt es banal, aber es gibt wirklich diese Augenblicke, in denen man absolut nicht weiß, was richtig oder falsch ist und keine Kapazitäten hat, Szenarien zu entwickeln, wie diese oder jene Entscheidung sich auswirken könnte.

Die Reise, für die du dir selbst dein Ticket ausstellst

Ich spreche normalerweise ja immer nur über die tollen Seiten des Gründens, aber manchmal muss man auch mal den Tradeoff ins Licht rücken. Alles im Leben hat seinen Preis, kein Licht ohne Schatten, kein Pro ohne Contra und kein Regenbogen ohne Regen … klingt melodramatisch, ist aber im Grunde eine simple Gleichung und diese findet sich auch bei einem StartUp.

Ich erwähnte am Anfang, dass es Dinge gibt, die dir am Anfang niemand sagt und auf die du nicht vorbereitet sein kannst … damit meinte ich aber nicht die oben angeführten Punkte.

Was ich meine – und das ist das Tolle – ist, dass es allen Gründern und Gründerinnen genau so geht.

Schlaflose Nächte, Entscheidungs-Ohnmacht, Selbstzweifel, Ablenkungen, Verlust von Fokus, Müdigkeit, Up and Downs im Tagesryhtmus, Glücksausbrüche in fliegendem Wechsel mit kompletter Verzweiflung, you name it … all das ist das Normalste auf der Welt, wenn man sich auf diese Reise einlässt.

Es sind Dinge, die mich sehr Nahe an meine Grenzen und Möglichkeiten bringen und mir zeigen, was mir wichtig ist. Es sind Dinge, die mir vor Augen führen, was noch in mir steckt und was ich bisher nicht gekannt habe. Es sind Dinge, die mich herausfordern … immer dann, wenn ich etwas schon aufgegeben habe.

Es sind – sieht man zurück – die Dinge, die diese Reise zum Leuchten bringen.

Und um den ersten Satz von diesem Post richtig zu stellen:

Ehrlich … hätte ich gewusst, was mir alles bevor steht, als ich im Oktober 2011 beschloss, dass ich ein StartUp mitgründe … ich glaube, ich hätte schon viel früher damit angefangen.

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warum ich nie der ruhigste Junge in der Klasse war und das mir den Arsch gerettet hat

“I don’t know the key to success, but the key to failure is trying to please everybody.”— Bill Cosby”

 

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Ich war ein Problemkind

Als ich Schüler war, tat mir meine Mutter sehr leid – mein Vater zwar auch, aber der sah alles immer gelassener. Ich war nämlich eines diese Problemkinder – immer laut, immer am Schaukeln und immer unbequem. Disziplin war nicht mal mein 40. Name, nein – es kam in meinem Sprachgebrauch nicht vor – dachte ich zumindest. Das Wort, dass mich am Ehesten beschrieb, war “unbequem”.

Nicht dieses unbequem, für das sich Pseudo-Intellektuelle immer halten (“ich stelle alles in Frage und bin dabei einfach nur Rebell, weil so gscheit.”), sondern ich war richtig unbequem.
Wenn ich etwas für nicht sinnvoll erachtete, sank mein Interesse auf Tiefseelevel und meine Aufmerksamkeit galt dem Zählen der Deckenlampfen im Klassenzimmer.

Meine Mutter musste dies bei jedem Elternsprechtag ausbaden und durfte sich halbjährlich anhören, dass ich nicht nach den Regeln spiele, ich schief am Sessel sitze, mich weigere Dinge zu lernen, bei denen ich mir einbildete, diese niemals zu benötigen und so weiter.
Habe ich schon erwähnt, dass mir meine Mutter leid tat?

Es hat sich nichts verändert

Auch heute höre ich oft, dass ich recht unbequem bin und oft der bin, der mit Leuten aneinandergerät und dann laut wird.

Was die wenigsten Personen wissen:
Ich habe zwischen meinem 13. und 21. Lebensjahr gestottert. Also so richtig. Die ersten 2 Jahre konnte ich einem wildfremden Menschen nicht mal meinen Namen sagen, ohne ihm oder ihr fast ins Gesicht zu spucken. Hört sich lustig an, war aber die schlimmste Zeit meines Lebens. Begonnen hatte es, als sich meine Eltern kurz vor Weihnachten getrennt hatten und ich zu dem Zeitpunkt auch in der Schule eine harte Zeit hatte. Plötzlich war es da und es ging so schnell auch nicht mehr weg.

In meinem Kopf rasten die Gedanken und Ideen, die ich der Welt mitteilen wollte – hinaus kamen aber nur Tröpfchen von wirren Sätzen und ein Selbstwertgefühl, dass sich gleich hinter der eigenen Angst und der Scham versteckte.
Ich war zwar ein aufgewecktes Kind, dass die Welt retten wollte, wurde aber damit konfrontiert, wie es ist, wenn man ausgelacht wird – nur weil man Worte nicht so elegant aussprechen kann, wie der Rest der Klasse.

Ja nicht auffallen

Resultat war, dass ich immer ruhiger wurde und nicht mehr auffallen wollte – ich wollte nur, dass die Unterrichtsstunde vorbei ist und ich nach Hause konnte.

“Ja nicht auffallen” war die Devise und sie blieb es viele Jahre.
Der Junge, der immer der lauteste war und immer negativ auffiel, war plötzlich der bravste – der, der sich in Reih und Glied wie alle anderen hinten anstellte – plötzlich diszipliniert war und auch in einem Heer von 150 Lemmingen den besten Lemming gab.

Dass ich dann plötzlich noch eine feste Zahnspange bekam und wegen meiner starken Konzentrationsschwierigkeiten Ritalin einnehmen musste (ja, ich hatte eine klassische ADHS Diagnose für mehrere Jahre), machte die Sache nicht leichter.
Es ging sogar so weit, dass ich in der Klasse bei Leseübungen nicht mehr laut vorlesen musste, weil mich die halbe Klasse auslachte.
Interessanterweise begannen aber auch plötzlich meine geistigen Leistungen und meine sportlichen Leistungen (ich war einer der klassenbesten im Sport) radikal nachzulassen. Mir radikal meine ich richtig von Hero auf Zero.
Egal ob Mathematik, Völkerball oder künstlerische Erziehung – überall war ich ein farbloser Klecks … ich hatte gelernt, micht komplett unterzuordnen und mich anzupassen.

bravbravAber!!! Bei den Elterntagen war ich der Hit – ich war “sehr brav”, ich machte überall mit und ich fiel nie unangenehm auf. Ich hatte es geschafft, ich gefiel meinen Lehrern.
Tja, meine Eltern begannen sich Sorgen zu machen – zu recht. Ich war nicht ich.

Ich fand meine Flucht, in dem ich – immer noch stotternd – ein halbes Jahr vor der Matura aufstand und die Schule hinschmiss und verdammt, es war die beste Entscheidung meines Lebens. Weg von dem Ort, an dem ich “diszipliniert” wurde und dafür fast einen Orden bekam.

Info: Ich habe danach eine HTL für Software-Engineering und ein Studium der verteilen Softwaresysteme absolviert, weil mir immer klar war, dass ein Abschluss schon sehr cool ist und  weil es mich irre interessiert hat – nur wollte ich es auf meine Art und Weise erledigen. In diesem Fall in Abendform bei freier Zeiteinteilung und in einem Umfeld, wo man sich gegenseitig auf Augenhöhe begegnet (ja, ein Riesenvorteil von berufsbegleitenden Ausbildungen). Und ja, eine Ausbildung ist gold wert (falls grad Schüler mitlesen)!!.

Heute, mit 32 – zwar noch Kindskopf (hoffentlich forever) – weiß ich, dass meine Unbequemlichkeit eine Gabe ist – ein Segen und meine größte Stärke. Im Grunde lebe ich einfach aus, was in mir ist und korrigiere auf meinem Weg all das, was mir Energien raubt.

Simma bitte so “professionell” und sagen uns, dass wir uns am Sack gehen

Wir leben leider in einer Welt, in der es als professionell und “besser” angesehen wird, wenn man Unmut nicht direkt angeht, sondern um den heißen Brei herumredet. Wenn ich daran denke, wie wenig Zeit mir auf der Welt bleibt, und ich diese mit “naja, so könnten wir … und man sollte … und so haben wir das gar nicht gemeint … etc.” füllen würde, wird mir schlecht.

Ehrlich – wenn mir jemand ins Gesicht sagt “Ali, du bist ein Arsch, weil du dies und jenes getan hast.” ist das für alle Beteiligten tausendmal zielführender, als wenn diese Person mir mit einem herangezogenen BlaBla erklären würde, dass da vielleicht grad etwas nicht passt, er/sie das aber gerade nicht so ansprechen kann, weil man ja niemandem zu nahe treten will, bla bla bla”.

Kommt das bekannt vor? Ja? Klar, wir sind umgeben von diesen falschen Höflichkeiten, die am Ende des Tages verhindern, dass sich Dinge gut entwickeln. Meistens eben von Menschen, die brav angepasst sind – ja nicht anecken, ja diszipliniert sein.

Heute habe ich das irre Glück (ich kanns echt kaum fassen) ein Unternehmen mit leiten zu dürfen, mit über 30 Mitarbeitern zu arbeiten, laufe wie ein HipHop Fan in einer ausgebleichten Jean rum, trage weiße Turnschuhe und wenn ich auf der Bühne bei Vorträgen stehe, beginne ich immer noch regelmäßig zu stottern und ja, ich verwende auch manchmal Wörter wie “Bullshit”, um meinen Ausführungen die nötige Kraft zu verleihen. Weiters rede ich manchmal wie ein Urwiener und dabei noch viel zu schnell.

Das alles ist meine DNA und ja, ich bin ein Chaot – im Herzen noch viel mehr, als am Arbeitsplatz. Wer mir mal zusieht, wenn ich im Flow bin, greift sich komplett an den Kopf – ich brauche 2 Monitore, renne auf und ab und schmiere laufend was an Wände und quatsche in einem durch. Dann plötzlich springe ich auf, schreie “das ist so geil, so machen wir es” und habe 2 Minuten später eine total neue Lösung, weil die erste von vorhin “ja der komplette Scheiss” ist. Und wenn ich nichts gegessen oder getrunken habe, habe ich die Toleranzgrenze von Nordkorea.

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Aber ich denke, dass ist genau mein Assett, dass mich dazu gebracht hat, das whatchado Konzept zu erarbeiten und mir das ganze whatchado Universum auszudenken – auch wenn es nur die ersten 1% waren, die mein Team gerade weiter ausbaut.

“Ali, du bist schwierig” und andere Komplimente, die ich mir erarbeitet habe

Im Büro bin ich auch dafür bekannt, dass ich mit Leuten zusammenkrache und dann höre ich immer “ja, du bist schwierig” und sonstige Sprüche. Im Grunde ist dies aber überlebensnotwendig, damit whatchado kein Unternehmen wird, “in dem halt alles schon immer so war”. Das letzte, was wir brauchen ist falsche Disziplin und interne Einschränkung, wo aber genug Platz zum Austoben gegeben wäre, damit wir uns alle weiterentwickeln.

Disziplin ist notwendig und wichtig – keine Frage! Vor allem dann, wenn Dinge in Abhängigkeiten stehen und Schleissigkeiten einen negativen Dominoeffekt ins Rollen bringen würden.
Aber ich denke, dass eine gesunde Organisation das Chaos, dass aus der DNA der Mitarbeiter entsteht, ausnutzen muss.
Jeder Mensch und damit jeder Mitarbeiter sind unterschiedlich – (manchmal) im besten Fall wie Tag und Nacht.
Und dazu gehört auch, dass man akzeptiert, dass – angefangen von der Sprache, über die Arbeitsweise bis hin zum Auftreten – das Individuum ausgelebt und gefördert wird. Schliesslich formen Mitarbeiter ein Unternehmen – nicht die Zahlen und auch nicht das Leitbild oder das Logo.

So habe ich gedacht, als ich in der Pharmazie gearbeitet habe, als ich Berater bei Siemens war, beim Flüchltingsdienst der Diakonie meinen Zivildienst absolviert habe, Digital Consultant für Redbull mobile und Heineken wurde und in einer US Firma Berater und Salesmanager war.
Und immer hat es mich weiter gebracht als all die Personen, die in Diskussionen immer die braven und bequemen waren. Die sitzen immer noch da und freuen sich auf ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld als DAS Jahreshighlight.

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Erst kürzlich habe ich mit meiner Mutter gesprochen und sie sagte etwas, dass mich zum Schmunzeln brachte.
Sie sagte mir, dass sie mich in einigen Bereichen als ihr Vorbild sieht – ich sei so ein Querkopf und verrückt, aber immer verantwortungsvoll und lebe mein Leben und mein Tun, wie ich es für richtig halte und habe dann Disziplin, wenn es Sinn macht und habe irgendwann damit aufgehört, daran zu denken, was andere Menschen von mir halten.

… wenn das meine Lehrer lesen könnten :)

Gute Nacht,
Ali

warum gerade HC STRACHE beweist, wie wichtig Überparteilichkeit ist

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber heute habe ich an einem Tag mehr über Neutralität gelernt, als in meinem bisherigen Leben.

Wir haben diese Woche HC Strache interviewed – genauso wie wir bisher knapp 2000 Menschen interviewed haben und es weiter tun werden. Die darauf entstehende Kritik hat mich in ihrem Niveau nur etwas sehr irritiert.

Als Privatperson wollte ich die Kritik an unserem whatchado Interview mit HC Strache nicht kommentieren – als Gründer und Geschäftsführer von whatchado und damit verantwortlich für ca. 30 Mitarbeiter muss ich einiges richtig stellen, damit weitere Diskussionen gar nicht erst aufkommen und auch unser Standpunkt klar gestellt ist.

Überparteilichkeit (nach Wikipedia):

Der Begriff der Überparteilichkeit ist das abgeleitete Substantiv von überparteilich und bedeutet im weitesten Sinne Neutralität und Unabhängigkeit. Im engeren Sinne des politischen Verständnisses bedeutet überparteilich vor allem, über den Parteien stehen, bzw. nicht von ihnen abhängig zu sein. 

Wir haben am Montag dieser Woche HC Strache die selben 7 whatchado Fragen gestellt, die wir bisher über 2000 Menschen (online haben wir derzeit über 1500) gestellt haben.
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Das Interview ist im Zuge einer Aktion entstanden, bei der wir derzeit alle Spitzenpolitiker vor die whatchado Linse bitten und diese dann kurz darauf im Live Hangout mit Usern zusammenbringen, die dann live Fragen stellen können.
Erst kürzlich haben wir Matthias Strotz (NEOS) und Eva Glawischnig (Grüne) bei uns auf whatchado begrüßt und werden in wenigen Wochen auch andere Politiker vor die Linse bitten.
Und diese Woche war es eben HC Strache.

Wir wussten natürlich, dass HC Strache als Mensch und Obmann der FPÖ polarisieren wird, haben aber keine Sekunde gezögert, ihm auch unsere 7 Fragen zu stellen.
Mir war klar, dass der eine oder andere die Nase rümpfen würde, aber teilweise blieb mir echt die Spucke weg, womit das Interview kommentiert wurde.

Mediengeilheit, Reichweitenerhöhung, “ist gut für die Zugriffsquote” und weitere Vorwürfe, die klar der Kategorie “Wirtshauswissen” entsprungen sind.
De facto wurde meinem Team und mir vorgeworfen, dass wir einen großen Fehler machen, HC Strache eine Bühne zu geben und wir dies aus Gründen der Zugriffsquote tun.

Ja, das kann man uns alles vorwerfen und noch viel mehr und ja, viele werden es weiter tun.
Wer etwas nachdenkt – also wirklich denkt – wird recht schnell sehen, was wir bei whatchado wirklich gemacht haben: nämlich einfach eine weitere Person, diesmal eben einen weiteren Politiker, vor die Linse gebeten. Klar wussten wir, dass dieser polarisiert, aber das tun andere Politiker auf ihre Art und Weise auch.

Diskriminierung beginnt mit Ausgrenzung und einer Portion Willkür

Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher

George Orwell in Die Farm der Tiere

Ich habe eine Zeit meines Lebens in Traiskirchen, einem Flüchtlingsheim vor den Toren Wiens, verbracht. Ich habe als Ausländer und “Tschusch” aus Simmering erlebt, was echte Diskriminierung bedeutet und es begann immer mit Ausgrenzung, dem Ursprung jeden Übels.
Wer mich kennt, weiß wie ich zu politischen Themen der FPÖ stehe und weiß auch, dass ich bei den letzten Wahlen den NEOS meine Stimme gegeben habe. Das ist kein Geheimnis.

Wenn wir bei whatchado alle Spitzenpolitiker interviewen, aber eine Person ausgrenzen, weil diese von der Ideologie stark polarisiert, wären wir nicht mehr glaubwürdig und würden gegen unsere eigenen Prinzipien der Gleichbehandlung arbeiten.

whatchado ist neutral – ohne wenn und aber

Unsere Mission ist die Darstellung der Vielfalt in der Arbeitswelt aus einer neutralen Ecke, solange alles im rechtlichen Rahmen ist und sich alle Beteiligten an das whatchado Prinzip halten.
Und dazu gehören alle Seiten – auch die der Politik.

Fakt ist, dass die FPÖ und HC Strache demokratisch gewählt worden sind (jaja, am Ende wills keiner gewesen sein) und sich damit in einer Demokratie ihren Platz erarbeitet haben – egal ob mir als whatchado Chef gefällt, was inhaltliches Parteiprogramm ist oder nicht. Das gilt für die FPÖ, aber auch für jede andere Partei und jede andere Einrichtung, bzw. Organisation.

Solange alles rechtens ist und alle Interviewpartner sich AN UNSER Konzept halten, ist jede/r willkommen.
Das war immer so und wird immer so bleiben.
So gehen wir mit jedem Interviewpartner, jedem Unternehmen und jeder Organisation um – alle müssen, wenn sie bei whatchado vertreten sein wollen, sich an unser Konzept und unsere Mission halten. Ohne Ausnahmen.

DerStandard weigert sich <bitte Name des gewünschten Politikers einsetzen> zu interviewen

Ja, das wäre wohl eine Headline, die sich viele Kritiker und selbsternannten Beschützer der guten Sitten wünschen würden.
Wäre es okay? Nein, natürlich nicht.
Warum? Weil dadurch die Berichterstattung einseitig wäre und alle Eckpfeiler des guten Journalismus mit Füßen getreten werden würden und darüber wird auch nicht diskutiert, weil es unvorstellbare wäre, dass unsere Medien plötzlich eine Partei ausschliessen, weil deren Ideologien polarisieren.

Und genau so ist es bei whatchado – wir sind überparteilich, neutral und halten an unseren Prinzipien der Gleichheit fest – solange alles rechtens ist, sich die Interviewpartner an unsere Fragen halten und kein Mensch beleidigt wird.

Bühne bekommt, über wen geredet wird

Jeder kennt die HUMANIC Werbungen von früher, die teilweise keinen Sinn ergeben haben.

Aber sie haben stets ihren Sinn erfüllt: alle, die diese damals im TV gesehen haben, kennen diese heute noch.
Werbung wirkt dann, wenn Menschen darüber reden – es zählt gar nicht so das inhaltliche, es zählt in erster Linie, dass man darüber spricht.

Bei whatchado versuchen wir, allen die selbe Bühne zu geben und die Stories gleichmäßig zu promoten – Unternehmen, die sich bei uns bessere Platzierungen wünschen, verweisen wir auf die hinteren Plätze, da man sich bei uns keine Platzierungen oder “bessere Promo” wünschen, bzw. erkaufen kann.
Genauso verhält es sich mit der Promotion unserer Politiker-Interviews, die wir derzeit führen. Matthias Strotz, Eva Glawischnig und auch HC Strache haben alle die selbe Bühne bekommen und das ist nur fair und korrekt.

Die Kritiker, die unser whatchado Interview mit HC Strache als “weitere Bühne” bezeichnen und im selben Atemzug anfügen, wie falsch sie dies finden, will ich darauf hinweisen, dass genau sie es sind, die dem Ganzen eine größere Bühne geben als notwendig.
Wie auch in der Werbung gilt “Bühne bekommt, über wen geredet wird”.
Sogar bad news sind besser als keine News :)

Wir geben allen Interviewpartnern die selbe Bühne, welche regelmäßig von neuen Stories befüllt wird – nicht mehr und nicht weniger.
Wer etwas anderes hineininterpretiert hat den Sinn der Übung nicht verstanden.

Warteschlange ist Warteschlange

Steht jemand im Supermarkt in einer Warteschlange und wird ganz normal bedient, spricht man von einem normalen Vorgang.
Steht diese Person aber in der Warteschlange und wird von der Kassiererin vorgelassen, spricht man von Bevorzugung.

Haben wir HC Strache wie alle anderen Politiker behandelt und promotet: Ja
Haben wir HC Strache in irgendeiner Art und Weise mehr gepusht: Nein

Abschließen möchte ich diesen Post mit einem Satz, den meine Deutschlehrerin geprägt hat und an den ich heute oft denken musste:
“Oft ist das Gelesene nicht das Geschriebene.”

Gute Nacht,
Ali

 

PhotoCredits:

http://www.hoesti.de/

http://www.parlament.gv.at/

3 Wochen Lastentest in Thailand oder “wie feuere ich mich am besten”

Wir haben erst kürzlich eine massive Investmentrunde abgeschlossen und starten das Jahr 2014 mit mehr Ambitionen denn je … und dann fahre ich, der Chef, in dieser kritischen Zeit einfach 3 Wochen auf Urlaub.
Das Ganze hat gute Gründe und ich hoffe, dass ich damit richtig liege und es nie bereuen werde.

Wenn man so mag, ist es der Test, wo wir als Unternehmen stehen und wie gut wir als Founder das Unternehmen aufgestellt haben.

2012: Founder A zu Founder B “Ja, ich geh mal Cafe besorgen, check du bitte das Klopapier.”

2 Jahre ist es her, dass Jubin und ich whatchado gegründet haben. 2012 waren wir 4 Personen und anfangs, wie auch manchmal noch heute, haben wir alles selbst gemacht. Vom Website-Konzept bis hin zum Kauf von Cafe – alles war Chefsache, genauer gesagt Foundersache.

Sieht man von organisatorischen Themen, wie eben dem Kauf von Cafe (was wir glücklicherweise mittlerweile nicht mehr selbst machen müssen) ab, war das Umsetzen aller Unternehmens-bezogenen Tätigkeiten natürlich unser Ding und das will man ja schließlich als Founder auch – die eigene Idee in die Welt bringen, etwas erschaffen, das einen überlebt und die Welt ein bisschen besser macht.
Von Kundengesprächen über das Aussehen unserer Messestände bis hin zur Bestimmung der Websitefarben – alles haben wir selbst gemacht. Wer die Fragetechniken und das JobDating bei whatchado konzipiert hat? Klar, die Founder. Wer die ersten Marketingkonzepte umgesetzt hat und Kooperationen eingefädelt hat? Bingo, wieder wir als Founder. Wer sich um das Einkaufen von Putzmittel gekümmert hat? Bingo, wieder wir.
Man ist einfach das Mädchen/der Junge für alles.

Puh, wir werden mehr oder die Frage “wer checkt das Kopierpapier?”

Entwickeln sich die Dinge zum Guten und beginnt man zu wachsen (Erfolg ist Auslegungssache, Wachstum hingegen auf für einen Laien erkennbar) merkt man, dass man zu viel tut, bzw. bisher alles selbst gemacht hat.
Das Beste und das Schlimmste am Foundersein ist, dass man eben alles umsetzt – und was man nicht kann, on the fly lernt.
Im Grunde löst man den ganzen Tag nur Probleme und wird nach und nach Meister in unterschiedlichsten Disziplinen.

Anfangs ist das perfekt und einfach das Schönste auf der Welt – mit den ersten Angestellten wird es dann plötzlich unsicherer für einen selbst, weil man sich plötzlich wie auf Glatteis fühlt – nur das jemand anders plötzlich die eigenen Schlittschuhe lenkt.

Vom Stürmer zum Mann auf der Bank

Die größten Änderungen, die man in der Wachstumsphase meistern muss, sind aus meiner Sicht:
1. Vom Fussballer zum Trainer zu werden, um sich um die nächste Phase zu kümmern
2. Deligieren lernen – und es auch tun

1. Vom Fussballer zum Trainer

Am Spielfeld ist es am Schönsten, da kann man sich austoben, aufs Tor stürmen und direkt ins Spielgeschehen eingreifen.
Steht man aber plötzlich am Spielfeldrand, ist man zwar der Dirigent, kann aber erst eingreifen, nachdem ein Spieler einen Fehlpass gespielt hat, der zu einem Gegentor geführt hat.
Ich kann zwar den Spieler austauschen, aber das Match ist gelaufen.

Ich vergleiche das Führen eines Unternehmens auch gerne mit der Baubranche. Was die wenigsten wissen ist, dass ich gelernter Maurer und Zimmerer bin und eine Ausbildung für Hoch- und Tiefbau genossen habe und daher die Branche sehr gut kenne.
(Auch für Leser, die keine Bauausbildung genossen haben, ist der Vergleich sicher nachvollziehbar.)

Auf einer Baustelle baut man das Haus mit den eigenen Händen, man mischt Beton an, man misst Dinge aus und wenn es für die Statik erforderlich ist, baut man halt die Stahl-Bewehrung ein. Man steht mittendrin und baut das Haus nach Plänen, die ein Architekt vorgegeben hat.

In einem StartUp ist man anfangs Architekt und der Typ, der den Beton anmischt, Dinge ausmisst und eben auch eine Bewehrung einbaut.
Wird das Haus größer und braucht man mehr Personen, die einen dabei unterstützen, muss man sich immer mehr zurückziehen und nicht mehr IM Haus, sondern AM Haus weiterbauen.
Man muss dafür sorgen, dass das Haus nach den eigenen Erwartungen umgesetzt wird, nicht den Kostenrahmen übersteigt und beim ersten Regen nicht in sich zusammenbricht.

Genau das ist die größte Challenge von Jubin und mir, dass wir von den Typen, die mittendrin stehen, zu den Typen werden müssen, die das Haus designen und alle, die daran mitarbeiten, dahin bringen, es nach Plan umzusetzen.
Das bedeutet verdammt viel Kommunikation, klare Abtrennungen, Vertrauen und ein System der Messung der Resultate (beim Bau eines Hauses wäre dies die Beantwortung der Frage “ist das Kinderzimmer eh blau angestrichen?”).

2. Deligieren – der wahre Herzensbrecher

Die größte Herausforderung – und das haben wir beide massiv unterschätzt – ist das bewusste! Loslassen von Dingen und der Fokus auf Tätigkeiten, um die sich wirklich die Founder kümmern müssen.

Was meinte ich damit? Ja, ich habe am Anfang bei whatchado natürlich noch den Cafe eingekauft und es gerne getan – bei unserer letzten Finanzierungsrunde, bei der es um knapp eine Million Euro ging, war mein Kopf so sehr auf unsere neuen Businessangels und die Verträge fokussiert, dass ich es mir nicht leisten konnte, zusätzlich Dinge zu tun, für die es mich als Founder und CEO nicht braucht.

Es ist verdammt hart, zu unterscheiden, was man alles nicht mehr machen darf/soll – obwohl man es vielleicht gern und verdammt gut tut.
Ich habe z.B. anfangs alle Präsentationsslides bei whatchado gemacht und ja, es macht immer noch verdammt viel Spaß, unsere Story in Slideform mit den besten Animationen zu bestücken, um Menschen zum Staunen zu bringen.

Doch haben wir mittlerweile ein Marketingteam und ich habe Aufgaben, die es mir nicht mehr erlauben, mehrere Stunden mit der Erstellung von Präsentationsunterlagen zu verbringen. Und doch schaffe ich es nicht, diese Aufgaben voll und ganz zu übergeben.
Schuld bin ich selbst und mein “ach, das mache ich halt diesmal noch schnell selbst”-Tick, der aber angeblich bei so ziemlich jedem Founder normal sein dürfte.

Thailand – der 3 Wochentest und die Frage “gehts auch ohne mich?”

Gerade sitze ich in Koh Phi Phi, einer kleinen Insel in Thailand, die vor rund 10 Jahren vom Tsunami komplett vernichtet wurde.
Draußen das Meer, tausende Touristen auf Booten, Essen zum (fast) Nulltarif und ein Sonnenuntergang, den man nur aus Erzählungen kennt.
Und mein Kopf … in dem gehts grad ab wie im Zirkus – tausende Ideen zu unserem Produkt, Inputs zu unserem Wachstum, und und und.
Aber zum ersten Mal seit der Gründung bin ich entspannt – wir haben echt gute Leute mit der richtigen Einstellung und Menschen, die über sich hinaus wachsen wollen und auch das Potential dazu haben.

Mark Zuckerberg hat erst vor Kurzem bei seinem Vortrag bei der StartUp School von YC eine Aussage getätigt, die mir seit dem nicht mehr aus dem Kopf geht:

“Ich stelle nur Leute ein, für die ich selbst arbeiten möchte.”

Ein kurzer Satz, der es genau auf den Punkt bringt, wie man als Founder mit der Organisation wachsen sollte. Quasi die Besten der Besten holen, auf die man selbst aufblickt – und sich nicht mit weniger zufrieden geben.

2014 wird für uns ein kritisches Jahr und für mich wird meine Rolle vom Founder zum CEO wichtiger denn je – dasselbe gilt natürlich auch für Jubin in seiner Rolle als CCO (Chief Commercial Officer).

Wir müssen lernen zu deligieren, lernen Dinge zu streichen und uns auf das konzentrieren, was unsere Aufgabe ist.
Und wir müssen loslassen und vertrauen, dass unsere Mitarbeiter die Dinge mit bestem Wissen und Gewissen tun.
Unsere Aufgabe muss sein, dass wir ihnen ganz klar kommunizieren, wohin whatchado geht und was unser aller Ziel ist.
Wir müssen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und Steine aus dem Weg räumen und sie enablen, dass sie mit ihren Aufgaben gefördert, aber auch gefordert werden.

DONE is better than perfect

Jubin und ich müssen für den Fall vorbereitet sein, dass uns beiden mal ein Ziegelstein am Kopf fällt.
Würden wir immer noch so agieren, wie in den Anfangstagen von whatchado, wären wir zwei derzeit die Bottlenecks von whatchado und damit ist langfristig niemandem geholfen und wir würden nur Arbeitsplätze und das Vertrauen unserer Kunden und User in Gefahr bringen.
Wir müssen beginnen, als Erbauer von innen nach außen zu wandern, um immer mehr das Gesamtbild der Zukunft, die wir haben wollen, zu beeinflussen.

Unsere Entscheidungen von heute beeinflussen unsere Zukunft viel länger und nachhaltiger als sie es in den Anfangstagen getan haben und das muss uns bewusst sein, wenn wir mal wieder an Aufgaben sitzen, die jemand anderer bei uns zu 80% genauso gut machen kann.
Wir haben mittlerweile 30 Mitarbeiter und diese durch einen möglichen Sturm zu navigieren benötigt einen anderen Fokus als das Rudern in einem 2-Mann-Boot, bei dem man nur Verantwortung für sich und eine weitere Person trägt.

Mitarbeiter, unsere echten Helden

Aufgaben müssen erledigt werden – wir als Founder müssen managen und dafür Sorgen, dass Dinge erledigt werden, damit das Gesamtresultat passt. Den Weg dahin müssen wir unseren Mitarbeitern, den echten Helden, überlassen.

Was zuerst für einen selbst komplett klar erscheint, ist für eine Person, die nun die Aufgabe übertragen bekommt, ganz und gar nicht “einleuchtend”. 
Mir war absolut nicht klar, wie intensiv der anfängliche Übergabeprozess einer Aufgabe sein muss, damit das Endresultat den eigene Erwartungen entspricht.

Und nochmal, es ist nicht wichtig, welchen Weg unsere Mitarbeiter einschlagen – das Resultat zählt und das muss ganz klar kommuniziert werden.
Einfach zu sagen “wir brauchen Flyer für eine Messe” reicht nicht, wenn man diese bisher immer selbst gemacht hat.
Es benötigt ein Briefing und ein Coaching, damit unser Team weiß, was dieser Task alles beinhaltet und wann wir diesen als abgeschlossen erachten können.

A ist nicht gleich A

Man muss sich im Leben – und zwar in allen Lebenslagen – vor Augen führen, dass das Gesagte fast nie das Gehörte ist.
Glücklicherweise – und das liebe ich an tollen Teams – spielt man sich langfristig aufeinander ein und die Kommunikation, das Um und Auf, läuft wie  von alleine.
Richitg gute Teams erkennt man oft daran, dass diese sich fast nahtlos ergänzen und oft sofort wissen, was die Situation erfordert ohne lange gebrieft zu werden.

In 2 Wochen bin ich wieder in Wien und werde mit allen Teamleads Gespräche führen, um zu sehen, was in diesen 3 Wochen passiert ist, dass meine volle Anwesenheit erfordert hätte.
Und dann werde ich z.B.  schauen, wer meinen Part bei der Sache hätte viel besser machen können. Diese Person werde ich nach und nach aufbauen, diese Aufgabe später alleine zu entscheiden und umzusetzen und mich hier langsam rausnehmen, bzw. mich feuern.

Denn, wenn ich ehrlich bin, haben Jubin und ich genau eine Aufgabe bei whatchado … Menschen finden, die in dem was sie tun, viel besser sind als wir – und dann müssen wir sie fliegen lassen.

Ali
Koh Phi Phi, Thailand
7. Februar, 2014

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Wie mir ein thailändischer Koch, fern der Heimat, die Welt erklärt

Ich bin seit ca. 5 Tagen in Thailand – ohne mein Handy weiß ich es gar nicht so genau und meine Uhr, die ich aus Wien mitgenommen habe, dürfte sich wohl auch einen Urlaub gegönnt haben.

Gerade habe ich gehört, wie endlich bekannt gegeben wurde, dass Microsoft einen neuen CEO bestimmt hat – Satya Nadella, einst einer der Helden von Sun Microsystems, seit sicher über 20 Jahren bei Microsoft, wird der neue Boss in Redmond.
Find ich gut, der Typ hat Style und steht für echte Innovation … aber eigentlich sollte mir das recht egal sein – hier in Koh Lanta, einer kleinen Insel in Thailand, die dafür bekannt ist, dass die Leute hier früh schlafen gehen.

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Es ist bereits mein 4. Mal in Thailand … und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es nicht mein letztes Mal gewesen sein wird.

Einmal “reboot” bitte

Das erste Mal war ich 2006 in Thailand und wurde sehr schnell in den Zauber des Landes gerissen.
Damals habe ich wenige Tage vor meinem Rückflug nach Wien bemerkt, dass ich nicht mehr als SuperDuber Berater in der IT Branche arbeiten möchte und am Strand von Koh Phangan beschlossen, dass ich meinen Job kündigen werde, um danach – als kompletter Newbie – in der Kommunikationsbranche zu arbeiten.

Klingt gerade alles sehr überlegt, dem war aber zuvor ein kompletter Zusammenbruch meiner Wertewelt (Karriereleitern, Bonis, Auto, Status, geiler Jobtitel) vorausgegangen. Ja, daran war Thailand schuld.

Ich habe keine Ahnung, aber das lerne ich auch noch

Niko Alm, Chefe bei Super-Fi, war damals echt bereit, mir die Chance zu geben, als Quereinsteiger bei ihm zu starten.
Dem vorausgegangen war eine Email von mir, in der ich ihm schrieb, dass ich keine Ahnung von Kommunikation habe, aber alles lernen kann und dass ich es unbedingt möchte.

“Irgendwas mit Social Media und Digital” wollte ich machen – hatte aber keinen Tau, wie komplex das werden wird, wusste ich nicht mal die Standard-Größen von Onlinebannern.

Im Nachhinein betrachtet war das “Bootcamp a la Alm” (einmal habe ich ca. 72 Stunden im Büro verbracht – ohne Duschen :-) genau das Richtige – oder ich hatte nur verdammt viel Glück – und ich nach knapp 2,5 Monaten Projektleiter für digitale Projekte bei RedBull Mobile und Hutchison.

War eine echt geile Zeit, die nur mehr von der Umsetzung meines “Freizeitprojektes” whatchado getoppt wurde.
Niko sagte mir noch, dass ich der Sache ruhig in meiner Freizeit nachgehen soll, solange es meinen Job nicht behindert.
Tja, im Endeffekt habe ich Oktober 2011 bei ihm gekündigt, um whatchado als “echte Firma” zu gründen. Mitgenommen habe ich Niko dann auch gleich – heute ist er Business Angel bei whatchado.

Das ich mal einen Politiker (Niko ist bei NEOS in Wien an vorderster Front) dabei haben würde, hätte ich mir nicht gedacht – aber meine Lehrer dachten wohl auch nie, dass aus mir, der zwischen seinem 13. und 19. Lebensjahr stotterte, mal ein Unternehmensgründer wird, der an Schulen und Unis Vorträge über die richitge Berufswahl hält.

Und begonnen hat damals alles in Thailand

Eine Bekannte hat mich vor Kurzem gefragt, ob man derzeit sicher nach Thailand reisen kann – bekanntermaßen kämpfen derzeit (wieder) die Rothemden gegen die Gelbhemden um die Vormachtstellung in Thailand.
Austragungsort: Bangkok
Meine Antwort war die, die man hier seit Wochen hört: halt dich fern von Menschenansammlungen, meide Demonstrationen und gehe um Himmelswillen nicht zu einer Kundgebungen. Dann sollte es sich gut ausgehen. 

Auch wenn es hier bei den Ausschreitungen schon Tote gab … hier in Koh Lanta fühlt es sich mit den Unruhen an wie in Meidling im schönen Wien – dem Ort, wo ich wohne … ganz weit weg und “irgendwie nicht meine Baustelle”.

In knapp 1,5 Wochen wird dies anders aussehen, wenn ich selbst 4 Tage in Bangkok verbringe.
Dann wird sich alles nur mehr um dieses Thema drehen, während ich in irgendeinem Cafe sitze und einen Fruchtshake in mich runterleere und mich wie immer wundere, wie billig es hier in Thailand ist, um dann den Euro wieder hochleben zu lassen.
Um ein Bild zu bekommen: ein warmes sättigendes Gericht am Strand kostet hier im Durschnitt 2-3 EUR.

Zwischen Thailand und Wien sind 6 Stunden Zeitverschiebung und gute 10 Stunden Flugzeit – geht man hier auf die Straßen, ist es eine andere Welt.
Die Menschen, die Temperaturen, das Essen, der Verkehr, die Zeit, der Himmel, der Geruch … alles ist anders, hat aber trotzdem – oder gerade deshalb – genau die richtige Mischung und Eleganz, die uns Europäer in den Bann zieht.

Ich komme hier immer wieder zurück, weil es ein Ort ist, der einem aufzwingt, das eigene Leben zu challangen … vieles kann oft so einfach sein, vieles belastet ohne Grund und und und … dutzende Gedanken, wie das Leben nicht besser sein sollte.
Und in Wien vergesse ich wieder die Hälfte und falle in alte Muster :)

Wenn die simplen Dinge überraschen

Bei einem Kochkurs, den ich heute belegt habe, wurden in ca. 5 Stunden 5 Gerichte gekocht und verputzt … und ich mitten drin als Koch meiner eigene Thai-Spezialitäten. Mann, war ich gut :)
Zugegeben, der Kochkurs war für richtige Touristen und ja, ich bin in dem Fall schuldig … Touri sein hat halt echt was, auch wenn ich die Zeiten als Backpacker noch nicht abgeschrieben habe (hey, mein komplettes Gepäck diesmal für 3 Wochen Thailand hatte nicht mal 6kg).

Unser Kochlehrer – an dem ein Kabarettist und Entertainer verloren gegangen ist – erzählte uns, dass er 3-mal täglich einen Kurs hält, wobei nicht alle 5 Stunden dauern würden.

Mehr verwunderte mich, dass er dies 7 Tage die Woche macht. 

Auf die Frage, ob das denn nicht viel zu viel wäre, wenn er überhaupt kein Wochenende hat, gab er eine Antwort, die alles auf den Punkt bringt, warum wir uns selbst täglich in den Arsch treten sollten:

“Ich liebe was ich tue. Würde ich auch nur eine Stunde lang einem Job nachgehen, der mir keinen Spaß macht, wäre es ein weggeschmissenes Leben. So kann ich das, was mir Spaß macht, von früh bis spät tun und wenn ich müde bin, denke ich immer daran, dass es der beste Job der Welt ist und wie glücklich ich mich schätzen kann.”

Dieser Koch steht für all die Menschen, die ich weltweit in Regionen getroffen habe, denen es nicht so gut geht wie uns in Wien und die trotzdem – oder gerade deswegen – darüber sprechen, dass sie alle einem Beruf nachgehen (wollen), der sie durch und durch glücklich macht.

Egal ob Kuba, Indien oder in abgelegenen Teilen Thailands … überall trifft man Menschen, denen komplett bewusst ist, dass sie etwas finden müssen, dass sie glücklich macht – nicht nur nebenbei, sondern verdammt noch mal hauptsächlich.

Das Paradoxon, dass wir uns selbst auferlegen

Denke ich an Zuhause, wo mir erst vor Kurzem sogar der Geschäftsführer einer Karriereplattform sagte “ach Ali, die Leute wollen ja nur irgendeinen Job machen und den richtigen Beruf gibts für die gar nicht, das ist Wunschdenken”, werde ich unweigerlich mit all dem vergessenen Luxus und den damit verbundenen Denkschranken konfrontiert, die wir uns auferlegen:

* Wir leasen uns Autos, weil uns oft das Geld fehlt und wir zu faul sind, das beste Verkehrsnetz der Welt zu nutzen.
* Wir kaufen uns den größten Fernseher, damit wir uns danach über die Schrottsendungen auf 140 Sendern aufregen.
* Geben dutzende Euros aus, damit wir uns immer die neuesten Spielzeuge (früher als Telefon bekannt) leisten können, nur um dann wieder das Nächstbeste zu wollen
* Brechen wir uns den Arm, gehen wir ins nächste Spital – die Behandlung ist natürlich kostenlos.
* Haben wir Durst, kommt das Wasser fast schon magisch aus dem nächsten Wasserrohr und ja, wir können es bedenkenlos trinken.
* Wollen wir studieren, kostet uns das im Jahr ca. 700-800 EUR – macht in etwa die Ausgaben von 15-20 durchzechten Wochenende aus.
* werden wir arbeitslos, unterstützt uns eine der besten Einrichtungen ever, das AMS, mit Arbeitslosengeld.
* und haben wir eine kritische Meinung, können wir diese äußern, ohne dafür eingesperrt zu werden.

Gar nicht so schlecht, oder?

Wir wir unseren Tag nutzen

Wir schlafen ca. 7-8 Stunden, arbeiten ca. 8-12 Stunden (inkl. Fahrzeiten, am Abend über die Arbeit sprechen/nachdenken) und haben ca. 4 Stunden am Tag für etwas, dass sich dann “Leben” oder “Freizeit” nennt.
Bedenkt man, dass wir unter der Woche mind. die doppelte Zeit unserer Freizeit in der Arbeit verbringen, ist es schon fast lächerlich, dass wir mehr Planung und Neugier in unsere Freizeitgestaltung stecken, als sonst in die Tätigkeit, die den größten Teil unseres Lebens ausmacht.

Hilflosigkeit, der beste Freund der Bequemlickeit

Und wenn es eben darum geht, wie wir diese arbeitende Hälfte unseres Tages verbringen, setzt unsere Hilflosigkeit ein … dann sind wir Opfer, geben anderen die Schuld, dass der Job nicht so super ist und freuen uns auf das nächste Weihnachtsgeld und jeden Mittwoch schon auf das Wochenende, weil ja Montags schon die Unterbrechung der Freizeit wieder losgeht. Ach ja, und die 25 Tage Urlaub natürlich – ganz wichtig.

Selbst und ständig denkend – die Feinde aller Sicherheiten

Und denken wir an Selbstständigkeit – also daran, das eigene Tun in die Hand zu nehmen und der eigene Chef zu sein, selbst zu bestimmen, was wir tun, wann wir es tun und mit wem wir zusammenarbeiten möchten – überkommt uns die Angst, unsere Sicherheit zu verlieren – eine Sicherheit, die wir nie hatten und die sich im Grunde darum dreht, dass “sich eh wer anderer um uns kümmert” – sei es Papa Staat, die Firma oder wer zum Henker noch da ist.

Und dann komme ich nach Thailand auf eine Insel, und der erste Thai, mit dem ich mehr als 5 Minuten spreche, erzählt mir ganz selbstverständlich, dass es seine Aufgabe ist, sein tägliches Glück selbst zu bestimmen.

Tja, so ein Kochkurs in Thailand hat schon was.

Ali
Koh Lanta, Februar 2014

Marschrichtung für 2014 “Fresh, Global, Disruptive” – whatchado startet mit frischem Investment

Investoren_whatchado_2014 copywhatchado Management mit Business-Angels
obere Reihe: Lucanus Polagnoli (CFO/COO), Kambis Kohansal (CMO), Ali Mahlodji (CEO), Hansi Hansmann (Chief Angel), Jubin Honarfar (CCO)
untere Reihe: Lukas Püspök, Peter Püspök, Brigitte Ederer, Claus Raidl

Die Kurzfassung: whatchado startet 2014 mit drei neuen BusinessAngels ins Jahr und holt sich mit dem bisherigen Business-Angel, Johann “Hansi” Hansmann, drei Profis der Old-Economy mit an Board:

* Brigitte Ederer, Ex-Siemens Vorstand
* Claus Raidl, Präsident der Österreichischen Nationbank und Ex-CEO Böhler Udeholm
* Peter Püspok, Vorstand OIKO Kredit und Ex-Raiffeisenlandesbank Niederösterreich Chef

Der HORIZONT war bereits so toll, darüber zu berichten.

Die etwas längere Fassung :)

Am 2.1.2012, ging die whatchado GmbH an den Start, die Arbeitswelt und den dazugehörigne Markt zu verändern.
Zugegebenermaßen waren wir naiv genug zu denken, dass wir das “Handbuch der Lebensgeschichten” wirklich umsetzen können.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits knapp 6 Monate als Plattform aktiv und es benötigte erst den Input unseres Business-Angel, Johann “Hansi” Hansmann, die Schritte der Selbstständigkeit zu betreten.

Mit seinem KnowHow, seiner Ruhe und seinem Gespür für “fresh, global & disruptive” gingen wir vor knapp 2 Jahren und 2 Wochen an den Anfangspunkt der Laufbahn und aus dem “ehrenamtlichen” Projekt whatchado wurde die whatchado GmbH:
Neuer Deckmantel und besserer Motor quasi und unser Commitment, alles auf eine Karte zu setzen, anstatt es so nebenbei in der Freitzeit zu betreiben.

2 Jahre später befinde ich mich in einem Traum, dessen tagtäglicher Verlauf von einem fantastischen Team aus über 25 Superhelden gesteuert wird.

Wir haben in diesen 2 Jahren fast 2000* Stories aus dutzenden Nationalitäten und 5 Kontinenten eingefangen, können über 1000 Berufsbilder darstellen und haben über 300 Unternehmen besucht und sind operativ mittlerweile in 3 Ländern tätig.
(*zur Info: online sind derzeit nur ca. 1300 Stories – der Rest wird nach und nach online gestellt)

Unsere Vision war immer eine globale, der Grund dahinter recht einfach:

Kein Mensch hat sich ausgesucht, wo er oder sie jemals geboren sein möchte – und trotzdem haben wir alle nur ein Leben, dass es auszukosten gilt. Und ja, einen Großteil unseres Lebens und unseres Tages macht die Arbeitswelt aus – ob wir wollen oder nicht.

Wir bei whatchado glauben daran, dass jeder Mensch das Recht darauf haben sollte, die eigenen Möglichkeiten zu kennen. Unser Weg dahin führt über 4-Augengespräche mit Menschen, die bereits einen Weg eingeschlagen haben und als Inspiration für den eigenen Weg gelten können:
Der Mensch ist und bleibt nun mal der beste Botschafter und eben auch das beste Fundament für Inspiration.
Um als Plattform die bestmögliche Quelle für Inspiration zu werden, brauchen wir Content aus der ganzen Welt – daher MÜSSEN wir global agieren, um sicherzustellen, dass wir den globalen Informationsgap schließen.

What’s the plan for 2014?

Wir sind Ende 2013 zwar international tätig gewesen:

– waren in New York bei der UNO
– in Dubai bei Unternehmen
– ich bin als EU Jugendbotschafter ernannt worden
– und wir haben bereits 150 Stories, die englischsprachig sind

von global sind wir trotzdem noch ein Stück entfernt.

2014 soll sich dies ändern:

Wir sind jung, wir sind hungrig und wir haben viel vor und ja, wie sind jung (ich weiß, hab ich schon mal gesagt) … und genau deshalb brauchen wir in dieser Phase das richtige KnowHow und die richtigen Entscheidungen – und natürlich auch finanzielle Ressourcen. Wir können unser Tagesgeschäft selbst am Laufen halten, aber eine Expansion, wie wir sie planen, geht Hand in Hand mit Investitionen, die es zu tätigen gilt.

Ende 2013, nach kurzen Gesprächen, war für uns recht klar, dass wir nur auf “smart money” setzen möchten: also die beste Kombination aus Investment und starkem KnowHow.

Recht schnell wussten wir auch, wen sich whatchado als Investoren für die Zukunft wünscht:
* Brigitte Ederer, Ex-Siemens Vorstand
* Claus Raidl, Präsident der Österreichischen Nationbank und Ex-CEO Böhler Uddeholm
* Peter Püspok, Vorstand OIKO Kredit und Ex-Raiffeisenlandesbank Niederösterreich Chef (inkl. seinem Sohn Lukas und seinem Bruder Paul)

Alle drei sind Topprofis in ihrem Bereich und eine mehr als große Bereicherung für das noch sehr junge Team von whatchado.
November 2013 begannen die Gespräche und es wurde statt eines Heiratsantrages unsererseits eine Trippelhochzeit mit allen drei Investoren … und ja, wir sind verdammt glücklich und über beide Ohren in unsere neuen Business-Angels verliebt.

Zahlen & Infos gefällig?

Investmentsumme?
der eine nennt es einen hohen 6-stelligen Betrag – andere nennen es einen knappen 7-stelligen Betrag. De facto liegt die Wahrheit genau dazwischen.

Auswirkungen auf das Management?
whatchado bleibt in der Hand der Gründer und wird auch operativ ganz normal wie bisher weitergeführt. Die neuen Investoren sind Business-Angels und nicht vergleichbar mit VC’s, denen sehr oft die Totalkontrolle einer Company am Herzen liegt.

Was passiert mit Österreich als Heimmarkt?
Wir sind Österreicher und daran wird sich nichts ändern. Österreich ist unser Heimatmarkt und das soll auch so bleiben. Daher haben wir uns bewusst für österreichische Business-Angels entschieden. Österreich hat nachhaltige Qualität und das soll sich in unseren Entscheidungen wieder spiegeln.

Wir werden natürlich wie bisher stark mit österreichischen Unternehmen zusammenarbeiten, da uns der Arbeitsmarkt in Österreich sehr am Herzen liegt und wir zuerst vor unserer eigenen Tür kehren wollten.

Und Deutschland?
Ja, wir sind Fans von Deutschland und wir hatten das Glück, dass sich im Laufe des vergangenen Jahres sehr tolle Kooperationen mit Unternehmen aus Deutschland ergeben haben. Diesen guten Start möchten wir mit dem Investment natürlich fortsetzen.
Zum Einen natürlich mit dem Ausbau der Plattform, aber auch mit personellen Ressourcen – am Ende des Tages sind wir ein “Peoples Business” und genau da möchten wir gut aufgestellt sein.

Und die ganze Welt?
Ja, die steht auf der Roadmap und wird … um es vorsichtig auszudrücken … gerade evaluiert :)

Für Jubin und mich als Founder ist dieser Schritt nach der Firmengründung vor 2 Jahren sicher der Größte und für das whatchado Team ein fantastisches Feedback für unsere bisherige Arbeit und ein Riesenvertrauen in unsere Zukunft.

Und wir sind stolz, dass wir diesen Weg mit echt tollen Menschen gehen, die whatchado nicht nur verstehen, sondern auch an unsere Mission glauben.

Danke!

Gleichzeitig muss ich unserem Business-Angel der ersten Stunde und unseren Neuinvestoren zu so viel Mut gratulieren: ein StartUp ist ein Risiko und zwar ein sehr hohes – es fühlt sich oft so an, als würde man aus einem Flugzeug springen und am Weg nach unten den Fallschirm bauen.
In solch ein Manöver zu investieren benötigt Weitsicht und die richtige Erfahrung.

Egal wie cool das Investment ist und wie sehr wir uns alle freuen – ein Investment ist immer ein Vorschuss auf die Zukunft und diesem gilt es gerecht zu werden. Das schulden wir unseren Usern, unseren Investoren, unseren Firmenpartnern und Kooperationspartnern … und natürlich uns selbst.

2014, das wird richtig GEIL!
ROCK ON!

Ali und Jubin für das whatchado Team!