warum ich nie der ruhigste Junge in der Klasse war und das mir den Arsch gerettet hat

“I don’t know the key to success, but the key to failure is trying to please everybody.”— Bill Cosby”

 

171936_10152060500976029_2090989321_o

Ich war ein Problemkind

Als ich Schüler war, tat mir meine Mutter sehr leid – mein Vater zwar auch, aber der sah alles immer gelassener. Ich war nämlich eines diese Problemkinder – immer laut, immer am Schaukeln und immer unbequem. Disziplin war nicht mal mein 40. Name, nein – es kam in meinem Sprachgebrauch nicht vor – dachte ich zumindest. Das Wort, dass mich am Ehesten beschrieb, war “unbequem”.

Nicht dieses unbequem, für das sich Pseudo-Intellektuelle immer halten (“ich stelle alles in Frage und bin dabei einfach nur Rebell, weil so gscheit.”), sondern ich war richtig unbequem.
Wenn ich etwas für nicht sinnvoll erachtete, sank mein Interesse auf Tiefseelevel und meine Aufmerksamkeit galt dem Zählen der Deckenlampfen im Klassenzimmer.

Meine Mutter musste dies bei jedem Elternsprechtag ausbaden und durfte sich halbjährlich anhören, dass ich nicht nach den Regeln spiele, ich schief am Sessel sitze, mich weigere Dinge zu lernen, bei denen ich mir einbildete, diese niemals zu benötigen und so weiter.
Habe ich schon erwähnt, dass mir meine Mutter leid tat?

Es hat sich nichts verändert

Auch heute höre ich oft, dass ich recht unbequem bin und oft der bin, der mit Leuten aneinandergerät und dann laut wird.

Was die wenigsten Personen wissen:
Ich habe zwischen meinem 13. und 21. Lebensjahr gestottert. Also so richtig. Die ersten 2 Jahre konnte ich einem wildfremden Menschen nicht mal meinen Namen sagen, ohne ihm oder ihr fast ins Gesicht zu spucken. Hört sich lustig an, war aber die schlimmste Zeit meines Lebens. Begonnen hatte es, als sich meine Eltern kurz vor Weihnachten getrennt hatten und ich zu dem Zeitpunkt auch in der Schule eine harte Zeit hatte. Plötzlich war es da und es ging so schnell auch nicht mehr weg.

In meinem Kopf rasten die Gedanken und Ideen, die ich der Welt mitteilen wollte – hinaus kamen aber nur Tröpfchen von wirren Sätzen und ein Selbstwertgefühl, dass sich gleich hinter der eigenen Angst und der Scham versteckte.
Ich war zwar ein aufgewecktes Kind, dass die Welt retten wollte, wurde aber damit konfrontiert, wie es ist, wenn man ausgelacht wird – nur weil man Worte nicht so elegant aussprechen kann, wie der Rest der Klasse.

Ja nicht auffallen

Resultat war, dass ich immer ruhiger wurde und nicht mehr auffallen wollte – ich wollte nur, dass die Unterrichtsstunde vorbei ist und ich nach Hause konnte.

“Ja nicht auffallen” war die Devise und sie blieb es viele Jahre.
Der Junge, der immer der lauteste war und immer negativ auffiel, war plötzlich der bravste – der, der sich in Reih und Glied wie alle anderen hinten anstellte – plötzlich diszipliniert war und auch in einem Heer von 150 Lemmingen den besten Lemming gab.

Dass ich dann plötzlich noch eine feste Zahnspange bekam und wegen meiner starken Konzentrationsschwierigkeiten Ritalin einnehmen musste (ja, ich hatte eine klassische ADHS Diagnose für mehrere Jahre), machte die Sache nicht leichter.
Es ging sogar so weit, dass ich in der Klasse bei Leseübungen nicht mehr laut vorlesen musste, weil mich die halbe Klasse auslachte.
Interessanterweise begannen aber auch plötzlich meine geistigen Leistungen und meine sportlichen Leistungen (ich war einer der klassenbesten im Sport) radikal nachzulassen. Mir radikal meine ich richtig von Hero auf Zero.
Egal ob Mathematik, Völkerball oder künstlerische Erziehung – überall war ich ein farbloser Klecks … ich hatte gelernt, micht komplett unterzuordnen und mich anzupassen.

bravbravAber!!! Bei den Elterntagen war ich der Hit – ich war “sehr brav”, ich machte überall mit und ich fiel nie unangenehm auf. Ich hatte es geschafft, ich gefiel meinen Lehrern.
Tja, meine Eltern begannen sich Sorgen zu machen – zu recht. Ich war nicht ich.

Ich fand meine Flucht, in dem ich – immer noch stotternd – ein halbes Jahr vor der Matura aufstand und die Schule hinschmiss und verdammt, es war die beste Entscheidung meines Lebens. Weg von dem Ort, an dem ich “diszipliniert” wurde und dafür fast einen Orden bekam.

Info: Ich habe danach eine HTL für Software-Engineering und ein Studium der verteilen Softwaresysteme absolviert, weil mir immer klar war, dass ein Abschluss schon sehr cool ist und  weil es mich irre interessiert hat – nur wollte ich es auf meine Art und Weise erledigen. In diesem Fall in Abendform bei freier Zeiteinteilung und in einem Umfeld, wo man sich gegenseitig auf Augenhöhe begegnet (ja, ein Riesenvorteil von berufsbegleitenden Ausbildungen). Und ja, eine Ausbildung ist gold wert (falls grad Schüler mitlesen)!!.

Heute, mit 32 – zwar noch Kindskopf (hoffentlich forever) – weiß ich, dass meine Unbequemlichkeit eine Gabe ist – ein Segen und meine größte Stärke. Im Grunde lebe ich einfach aus, was in mir ist und korrigiere auf meinem Weg all das, was mir Energien raubt.

Simma bitte so “professionell” und sagen uns, dass wir uns am Sack gehen

Wir leben leider in einer Welt, in der es als professionell und “besser” angesehen wird, wenn man Unmut nicht direkt angeht, sondern um den heißen Brei herumredet. Wenn ich daran denke, wie wenig Zeit mir auf der Welt bleibt, und ich diese mit “naja, so könnten wir … und man sollte … und so haben wir das gar nicht gemeint … etc.” füllen würde, wird mir schlecht.

Ehrlich – wenn mir jemand ins Gesicht sagt “Ali, du bist ein Arsch, weil du dies und jenes getan hast.” ist das für alle Beteiligten tausendmal zielführender, als wenn diese Person mir mit einem herangezogenen BlaBla erklären würde, dass da vielleicht grad etwas nicht passt, er/sie das aber gerade nicht so ansprechen kann, weil man ja niemandem zu nahe treten will, bla bla bla”.

Kommt das bekannt vor? Ja? Klar, wir sind umgeben von diesen falschen Höflichkeiten, die am Ende des Tages verhindern, dass sich Dinge gut entwickeln. Meistens eben von Menschen, die brav angepasst sind – ja nicht anecken, ja diszipliniert sein.

Heute habe ich das irre Glück (ich kanns echt kaum fassen) ein Unternehmen mit leiten zu dürfen, mit über 30 Mitarbeitern zu arbeiten, laufe wie ein HipHop Fan in einer ausgebleichten Jean rum, trage weiße Turnschuhe und wenn ich auf der Bühne bei Vorträgen stehe, beginne ich immer noch regelmäßig zu stottern und ja, ich verwende auch manchmal Wörter wie “Bullshit”, um meinen Ausführungen die nötige Kraft zu verleihen. Weiters rede ich manchmal wie ein Urwiener und dabei noch viel zu schnell.

Das alles ist meine DNA und ja, ich bin ein Chaot – im Herzen noch viel mehr, als am Arbeitsplatz. Wer mir mal zusieht, wenn ich im Flow bin, greift sich komplett an den Kopf – ich brauche 2 Monitore, renne auf und ab und schmiere laufend was an Wände und quatsche in einem durch. Dann plötzlich springe ich auf, schreie “das ist so geil, so machen wir es” und habe 2 Minuten später eine total neue Lösung, weil die erste von vorhin “ja der komplette Scheiss” ist. Und wenn ich nichts gegessen oder getrunken habe, habe ich die Toleranzgrenze von Nordkorea.

Screenshot 2014-02-26 23.55.24

Aber ich denke, dass ist genau mein Assett, dass mich dazu gebracht hat, das whatchado Konzept zu erarbeiten und mir das ganze whatchado Universum auszudenken – auch wenn es nur die ersten 1% waren, die mein Team gerade weiter ausbaut.

“Ali, du bist schwierig” und andere Komplimente, die ich mir erarbeitet habe

Im Büro bin ich auch dafür bekannt, dass ich mit Leuten zusammenkrache und dann höre ich immer “ja, du bist schwierig” und sonstige Sprüche. Im Grunde ist dies aber überlebensnotwendig, damit whatchado kein Unternehmen wird, “in dem halt alles schon immer so war”. Das letzte, was wir brauchen ist falsche Disziplin und interne Einschränkung, wo aber genug Platz zum Austoben gegeben wäre, damit wir uns alle weiterentwickeln.

Disziplin ist notwendig und wichtig – keine Frage! Vor allem dann, wenn Dinge in Abhängigkeiten stehen und Schleissigkeiten einen negativen Dominoeffekt ins Rollen bringen würden.
Aber ich denke, dass eine gesunde Organisation das Chaos, dass aus der DNA der Mitarbeiter entsteht, ausnutzen muss.
Jeder Mensch und damit jeder Mitarbeiter sind unterschiedlich – (manchmal) im besten Fall wie Tag und Nacht.
Und dazu gehört auch, dass man akzeptiert, dass – angefangen von der Sprache, über die Arbeitsweise bis hin zum Auftreten – das Individuum ausgelebt und gefördert wird. Schliesslich formen Mitarbeiter ein Unternehmen – nicht die Zahlen und auch nicht das Leitbild oder das Logo.

So habe ich gedacht, als ich in der Pharmazie gearbeitet habe, als ich Berater bei Siemens war, beim Flüchltingsdienst der Diakonie meinen Zivildienst absolviert habe, Digital Consultant für Redbull mobile und Heineken wurde und in einer US Firma Berater und Salesmanager war.
Und immer hat es mich weiter gebracht als all die Personen, die in Diskussionen immer die braven und bequemen waren. Die sitzen immer noch da und freuen sich auf ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld als DAS Jahreshighlight.

163055_462289540946_5869997_n

Erst kürzlich habe ich mit meiner Mutter gesprochen und sie sagte etwas, dass mich zum Schmunzeln brachte.
Sie sagte mir, dass sie mich in einigen Bereichen als ihr Vorbild sieht – ich sei so ein Querkopf und verrückt, aber immer verantwortungsvoll und lebe mein Leben und mein Tun, wie ich es für richtig halte und habe dann Disziplin, wenn es Sinn macht und habe irgendwann damit aufgehört, daran zu denken, was andere Menschen von mir halten.

… wenn das meine Lehrer lesen könnten :)

Gute Nacht,
Ali

warum gerade HC STRACHE beweist, wie wichtig Überparteilichkeit ist

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber heute habe ich an einem Tag mehr über Neutralität gelernt, als in meinem bisherigen Leben.

Wir haben diese Woche HC Strache interviewed – genauso wie wir bisher knapp 2000 Menschen interviewed haben und es weiter tun werden. Die darauf entstehende Kritik hat mich in ihrem Niveau nur etwas sehr irritiert.

Als Privatperson wollte ich die Kritik an unserem whatchado Interview mit HC Strache nicht kommentieren – als Gründer und Geschäftsführer von whatchado und damit verantwortlich für ca. 30 Mitarbeiter muss ich einiges richtig stellen, damit weitere Diskussionen gar nicht erst aufkommen und auch unser Standpunkt klar gestellt ist.

Überparteilichkeit (nach Wikipedia):

Der Begriff der Überparteilichkeit ist das abgeleitete Substantiv von überparteilich und bedeutet im weitesten Sinne Neutralität und Unabhängigkeit. Im engeren Sinne des politischen Verständnisses bedeutet überparteilich vor allem, über den Parteien stehen, bzw. nicht von ihnen abhängig zu sein. 

Wir haben am Montag dieser Woche HC Strache die selben 7 whatchado Fragen gestellt, die wir bisher über 2000 Menschen (online haben wir derzeit über 1500) gestellt haben.
815723_m1w456q75s1v55423_xl_banner_hangout_strache

Das Interview ist im Zuge einer Aktion entstanden, bei der wir derzeit alle Spitzenpolitiker vor die whatchado Linse bitten und diese dann kurz darauf im Live Hangout mit Usern zusammenbringen, die dann live Fragen stellen können.
Erst kürzlich haben wir Matthias Strotz (NEOS) und Eva Glawischnig (Grüne) bei uns auf whatchado begrüßt und werden in wenigen Wochen auch andere Politiker vor die Linse bitten.
Und diese Woche war es eben HC Strache.

Wir wussten natürlich, dass HC Strache als Mensch und Obmann der FPÖ polarisieren wird, haben aber keine Sekunde gezögert, ihm auch unsere 7 Fragen zu stellen.
Mir war klar, dass der eine oder andere die Nase rümpfen würde, aber teilweise blieb mir echt die Spucke weg, womit das Interview kommentiert wurde.

Mediengeilheit, Reichweitenerhöhung, “ist gut für die Zugriffsquote” und weitere Vorwürfe, die klar der Kategorie “Wirtshauswissen” entsprungen sind.
De facto wurde meinem Team und mir vorgeworfen, dass wir einen großen Fehler machen, HC Strache eine Bühne zu geben und wir dies aus Gründen der Zugriffsquote tun.

Ja, das kann man uns alles vorwerfen und noch viel mehr und ja, viele werden es weiter tun.
Wer etwas nachdenkt – also wirklich denkt – wird recht schnell sehen, was wir bei whatchado wirklich gemacht haben: nämlich einfach eine weitere Person, diesmal eben einen weiteren Politiker, vor die Linse gebeten. Klar wussten wir, dass dieser polarisiert, aber das tun andere Politiker auf ihre Art und Weise auch.

Diskriminierung beginnt mit Ausgrenzung und einer Portion Willkür

Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher

George Orwell in Die Farm der Tiere

Ich habe eine Zeit meines Lebens in Traiskirchen, einem Flüchtlingsheim vor den Toren Wiens, verbracht. Ich habe als Ausländer und “Tschusch” aus Simmering erlebt, was echte Diskriminierung bedeutet und es begann immer mit Ausgrenzung, dem Ursprung jeden Übels.
Wer mich kennt, weiß wie ich zu politischen Themen der FPÖ stehe und weiß auch, dass ich bei den letzten Wahlen den NEOS meine Stimme gegeben habe. Das ist kein Geheimnis.

Wenn wir bei whatchado alle Spitzenpolitiker interviewen, aber eine Person ausgrenzen, weil diese von der Ideologie stark polarisiert, wären wir nicht mehr glaubwürdig und würden gegen unsere eigenen Prinzipien der Gleichbehandlung arbeiten.

whatchado ist neutral – ohne wenn und aber

Unsere Mission ist die Darstellung der Vielfalt in der Arbeitswelt aus einer neutralen Ecke, solange alles im rechtlichen Rahmen ist und sich alle Beteiligten an das whatchado Prinzip halten.
Und dazu gehören alle Seiten – auch die der Politik.

Fakt ist, dass die FPÖ und HC Strache demokratisch gewählt worden sind (jaja, am Ende wills keiner gewesen sein) und sich damit in einer Demokratie ihren Platz erarbeitet haben – egal ob mir als whatchado Chef gefällt, was inhaltliches Parteiprogramm ist oder nicht. Das gilt für die FPÖ, aber auch für jede andere Partei und jede andere Einrichtung, bzw. Organisation.

Solange alles rechtens ist und alle Interviewpartner sich AN UNSER Konzept halten, ist jede/r willkommen.
Das war immer so und wird immer so bleiben.
So gehen wir mit jedem Interviewpartner, jedem Unternehmen und jeder Organisation um – alle müssen, wenn sie bei whatchado vertreten sein wollen, sich an unser Konzept und unsere Mission halten. Ohne Ausnahmen.

DerStandard weigert sich <bitte Name des gewünschten Politikers einsetzen> zu interviewen

Ja, das wäre wohl eine Headline, die sich viele Kritiker und selbsternannten Beschützer der guten Sitten wünschen würden.
Wäre es okay? Nein, natürlich nicht.
Warum? Weil dadurch die Berichterstattung einseitig wäre und alle Eckpfeiler des guten Journalismus mit Füßen getreten werden würden und darüber wird auch nicht diskutiert, weil es unvorstellbare wäre, dass unsere Medien plötzlich eine Partei ausschliessen, weil deren Ideologien polarisieren.

Und genau so ist es bei whatchado – wir sind überparteilich, neutral und halten an unseren Prinzipien der Gleichheit fest – solange alles rechtens ist, sich die Interviewpartner an unsere Fragen halten und kein Mensch beleidigt wird.

Bühne bekommt, über wen geredet wird

Jeder kennt die HUMANIC Werbungen von früher, die teilweise keinen Sinn ergeben haben.

Aber sie haben stets ihren Sinn erfüllt: alle, die diese damals im TV gesehen haben, kennen diese heute noch.
Werbung wirkt dann, wenn Menschen darüber reden – es zählt gar nicht so das inhaltliche, es zählt in erster Linie, dass man darüber spricht.

Bei whatchado versuchen wir, allen die selbe Bühne zu geben und die Stories gleichmäßig zu promoten – Unternehmen, die sich bei uns bessere Platzierungen wünschen, verweisen wir auf die hinteren Plätze, da man sich bei uns keine Platzierungen oder “bessere Promo” wünschen, bzw. erkaufen kann.
Genauso verhält es sich mit der Promotion unserer Politiker-Interviews, die wir derzeit führen. Matthias Strotz, Eva Glawischnig und auch HC Strache haben alle die selbe Bühne bekommen und das ist nur fair und korrekt.

Die Kritiker, die unser whatchado Interview mit HC Strache als “weitere Bühne” bezeichnen und im selben Atemzug anfügen, wie falsch sie dies finden, will ich darauf hinweisen, dass genau sie es sind, die dem Ganzen eine größere Bühne geben als notwendig.
Wie auch in der Werbung gilt “Bühne bekommt, über wen geredet wird”.
Sogar bad news sind besser als keine News :)

Wir geben allen Interviewpartnern die selbe Bühne, welche regelmäßig von neuen Stories befüllt wird – nicht mehr und nicht weniger.
Wer etwas anderes hineininterpretiert hat den Sinn der Übung nicht verstanden.

Warteschlange ist Warteschlange

Steht jemand im Supermarkt in einer Warteschlange und wird ganz normal bedient, spricht man von einem normalen Vorgang.
Steht diese Person aber in der Warteschlange und wird von der Kassiererin vorgelassen, spricht man von Bevorzugung.

Haben wir HC Strache wie alle anderen Politiker behandelt und promotet: Ja
Haben wir HC Strache in irgendeiner Art und Weise mehr gepusht: Nein

Abschließen möchte ich diesen Post mit einem Satz, den meine Deutschlehrerin geprägt hat und an den ich heute oft denken musste:
“Oft ist das Gelesene nicht das Geschriebene.”

Gute Nacht,
Ali

 

PhotoCredits:

http://www.hoesti.de/

http://www.parlament.gv.at/

3 Wochen Lastentest in Thailand oder “wie feuere ich mich am besten”

Wir haben erst kürzlich eine massive Investmentrunde abgeschlossen und starten das Jahr 2014 mit mehr Ambitionen denn je … und dann fahre ich, der Chef, in dieser kritischen Zeit einfach 3 Wochen auf Urlaub.
Das Ganze hat gute Gründe und ich hoffe, dass ich damit richtig liege und es nie bereuen werde.

Wenn man so mag, ist es der Test, wo wir als Unternehmen stehen und wie gut wir als Founder das Unternehmen aufgestellt haben.

2012: Founder A zu Founder B “Ja, ich geh mal Cafe besorgen, check du bitte das Klopapier.”

2 Jahre ist es her, dass Jubin und ich whatchado gegründet haben. 2012 waren wir 4 Personen und anfangs, wie auch manchmal noch heute, haben wir alles selbst gemacht. Vom Website-Konzept bis hin zum Kauf von Cafe – alles war Chefsache, genauer gesagt Foundersache.

Sieht man von organisatorischen Themen, wie eben dem Kauf von Cafe (was wir glücklicherweise mittlerweile nicht mehr selbst machen müssen) ab, war das Umsetzen aller Unternehmens-bezogenen Tätigkeiten natürlich unser Ding und das will man ja schließlich als Founder auch – die eigene Idee in die Welt bringen, etwas erschaffen, das einen überlebt und die Welt ein bisschen besser macht.
Von Kundengesprächen über das Aussehen unserer Messestände bis hin zur Bestimmung der Websitefarben – alles haben wir selbst gemacht. Wer die Fragetechniken und das JobDating bei whatchado konzipiert hat? Klar, die Founder. Wer die ersten Marketingkonzepte umgesetzt hat und Kooperationen eingefädelt hat? Bingo, wieder wir als Founder. Wer sich um das Einkaufen von Putzmittel gekümmert hat? Bingo, wieder wir.
Man ist einfach das Mädchen/der Junge für alles.

Puh, wir werden mehr oder die Frage “wer checkt das Kopierpapier?”

Entwickeln sich die Dinge zum Guten und beginnt man zu wachsen (Erfolg ist Auslegungssache, Wachstum hingegen auf für einen Laien erkennbar) merkt man, dass man zu viel tut, bzw. bisher alles selbst gemacht hat.
Das Beste und das Schlimmste am Foundersein ist, dass man eben alles umsetzt – und was man nicht kann, on the fly lernt.
Im Grunde löst man den ganzen Tag nur Probleme und wird nach und nach Meister in unterschiedlichsten Disziplinen.

Anfangs ist das perfekt und einfach das Schönste auf der Welt – mit den ersten Angestellten wird es dann plötzlich unsicherer für einen selbst, weil man sich plötzlich wie auf Glatteis fühlt – nur das jemand anders plötzlich die eigenen Schlittschuhe lenkt.

Vom Stürmer zum Mann auf der Bank

Die größten Änderungen, die man in der Wachstumsphase meistern muss, sind aus meiner Sicht:
1. Vom Fussballer zum Trainer zu werden, um sich um die nächste Phase zu kümmern
2. Deligieren lernen – und es auch tun

1. Vom Fussballer zum Trainer

Am Spielfeld ist es am Schönsten, da kann man sich austoben, aufs Tor stürmen und direkt ins Spielgeschehen eingreifen.
Steht man aber plötzlich am Spielfeldrand, ist man zwar der Dirigent, kann aber erst eingreifen, nachdem ein Spieler einen Fehlpass gespielt hat, der zu einem Gegentor geführt hat.
Ich kann zwar den Spieler austauschen, aber das Match ist gelaufen.

Ich vergleiche das Führen eines Unternehmens auch gerne mit der Baubranche. Was die wenigsten wissen ist, dass ich gelernter Maurer und Zimmerer bin und eine Ausbildung für Hoch- und Tiefbau genossen habe und daher die Branche sehr gut kenne.
(Auch für Leser, die keine Bauausbildung genossen haben, ist der Vergleich sicher nachvollziehbar.)

Auf einer Baustelle baut man das Haus mit den eigenen Händen, man mischt Beton an, man misst Dinge aus und wenn es für die Statik erforderlich ist, baut man halt die Stahl-Bewehrung ein. Man steht mittendrin und baut das Haus nach Plänen, die ein Architekt vorgegeben hat.

In einem StartUp ist man anfangs Architekt und der Typ, der den Beton anmischt, Dinge ausmisst und eben auch eine Bewehrung einbaut.
Wird das Haus größer und braucht man mehr Personen, die einen dabei unterstützen, muss man sich immer mehr zurückziehen und nicht mehr IM Haus, sondern AM Haus weiterbauen.
Man muss dafür sorgen, dass das Haus nach den eigenen Erwartungen umgesetzt wird, nicht den Kostenrahmen übersteigt und beim ersten Regen nicht in sich zusammenbricht.

Genau das ist die größte Challenge von Jubin und mir, dass wir von den Typen, die mittendrin stehen, zu den Typen werden müssen, die das Haus designen und alle, die daran mitarbeiten, dahin bringen, es nach Plan umzusetzen.
Das bedeutet verdammt viel Kommunikation, klare Abtrennungen, Vertrauen und ein System der Messung der Resultate (beim Bau eines Hauses wäre dies die Beantwortung der Frage “ist das Kinderzimmer eh blau angestrichen?”).

2. Deligieren – der wahre Herzensbrecher

Die größte Herausforderung – und das haben wir beide massiv unterschätzt – ist das bewusste! Loslassen von Dingen und der Fokus auf Tätigkeiten, um die sich wirklich die Founder kümmern müssen.

Was meinte ich damit? Ja, ich habe am Anfang bei whatchado natürlich noch den Cafe eingekauft und es gerne getan – bei unserer letzten Finanzierungsrunde, bei der es um knapp eine Million Euro ging, war mein Kopf so sehr auf unsere neuen Businessangels und die Verträge fokussiert, dass ich es mir nicht leisten konnte, zusätzlich Dinge zu tun, für die es mich als Founder und CEO nicht braucht.

Es ist verdammt hart, zu unterscheiden, was man alles nicht mehr machen darf/soll – obwohl man es vielleicht gern und verdammt gut tut.
Ich habe z.B. anfangs alle Präsentationsslides bei whatchado gemacht und ja, es macht immer noch verdammt viel Spaß, unsere Story in Slideform mit den besten Animationen zu bestücken, um Menschen zum Staunen zu bringen.

Doch haben wir mittlerweile ein Marketingteam und ich habe Aufgaben, die es mir nicht mehr erlauben, mehrere Stunden mit der Erstellung von Präsentationsunterlagen zu verbringen. Und doch schaffe ich es nicht, diese Aufgaben voll und ganz zu übergeben.
Schuld bin ich selbst und mein “ach, das mache ich halt diesmal noch schnell selbst”-Tick, der aber angeblich bei so ziemlich jedem Founder normal sein dürfte.

Thailand – der 3 Wochentest und die Frage “gehts auch ohne mich?”

Gerade sitze ich in Koh Phi Phi, einer kleinen Insel in Thailand, die vor rund 10 Jahren vom Tsunami komplett vernichtet wurde.
Draußen das Meer, tausende Touristen auf Booten, Essen zum (fast) Nulltarif und ein Sonnenuntergang, den man nur aus Erzählungen kennt.
Und mein Kopf … in dem gehts grad ab wie im Zirkus – tausende Ideen zu unserem Produkt, Inputs zu unserem Wachstum, und und und.
Aber zum ersten Mal seit der Gründung bin ich entspannt – wir haben echt gute Leute mit der richtigen Einstellung und Menschen, die über sich hinaus wachsen wollen und auch das Potential dazu haben.

Mark Zuckerberg hat erst vor Kurzem bei seinem Vortrag bei der StartUp School von YC eine Aussage getätigt, die mir seit dem nicht mehr aus dem Kopf geht:

“Ich stelle nur Leute ein, für die ich selbst arbeiten möchte.”

Ein kurzer Satz, der es genau auf den Punkt bringt, wie man als Founder mit der Organisation wachsen sollte. Quasi die Besten der Besten holen, auf die man selbst aufblickt – und sich nicht mit weniger zufrieden geben.

2014 wird für uns ein kritisches Jahr und für mich wird meine Rolle vom Founder zum CEO wichtiger denn je – dasselbe gilt natürlich auch für Jubin in seiner Rolle als CCO (Chief Commercial Officer).

Wir müssen lernen zu deligieren, lernen Dinge zu streichen und uns auf das konzentrieren, was unsere Aufgabe ist.
Und wir müssen loslassen und vertrauen, dass unsere Mitarbeiter die Dinge mit bestem Wissen und Gewissen tun.
Unsere Aufgabe muss sein, dass wir ihnen ganz klar kommunizieren, wohin whatchado geht und was unser aller Ziel ist.
Wir müssen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und Steine aus dem Weg räumen und sie enablen, dass sie mit ihren Aufgaben gefördert, aber auch gefordert werden.

DONE is better than perfect

Jubin und ich müssen für den Fall vorbereitet sein, dass uns beiden mal ein Ziegelstein am Kopf fällt.
Würden wir immer noch so agieren, wie in den Anfangstagen von whatchado, wären wir zwei derzeit die Bottlenecks von whatchado und damit ist langfristig niemandem geholfen und wir würden nur Arbeitsplätze und das Vertrauen unserer Kunden und User in Gefahr bringen.
Wir müssen beginnen, als Erbauer von innen nach außen zu wandern, um immer mehr das Gesamtbild der Zukunft, die wir haben wollen, zu beeinflussen.

Unsere Entscheidungen von heute beeinflussen unsere Zukunft viel länger und nachhaltiger als sie es in den Anfangstagen getan haben und das muss uns bewusst sein, wenn wir mal wieder an Aufgaben sitzen, die jemand anderer bei uns zu 80% genauso gut machen kann.
Wir haben mittlerweile 30 Mitarbeiter und diese durch einen möglichen Sturm zu navigieren benötigt einen anderen Fokus als das Rudern in einem 2-Mann-Boot, bei dem man nur Verantwortung für sich und eine weitere Person trägt.

Mitarbeiter, unsere echten Helden

Aufgaben müssen erledigt werden – wir als Founder müssen managen und dafür Sorgen, dass Dinge erledigt werden, damit das Gesamtresultat passt. Den Weg dahin müssen wir unseren Mitarbeitern, den echten Helden, überlassen.

Was zuerst für einen selbst komplett klar erscheint, ist für eine Person, die nun die Aufgabe übertragen bekommt, ganz und gar nicht “einleuchtend”. 
Mir war absolut nicht klar, wie intensiv der anfängliche Übergabeprozess einer Aufgabe sein muss, damit das Endresultat den eigene Erwartungen entspricht.

Und nochmal, es ist nicht wichtig, welchen Weg unsere Mitarbeiter einschlagen – das Resultat zählt und das muss ganz klar kommuniziert werden.
Einfach zu sagen “wir brauchen Flyer für eine Messe” reicht nicht, wenn man diese bisher immer selbst gemacht hat.
Es benötigt ein Briefing und ein Coaching, damit unser Team weiß, was dieser Task alles beinhaltet und wann wir diesen als abgeschlossen erachten können.

A ist nicht gleich A

Man muss sich im Leben – und zwar in allen Lebenslagen – vor Augen führen, dass das Gesagte fast nie das Gehörte ist.
Glücklicherweise – und das liebe ich an tollen Teams – spielt man sich langfristig aufeinander ein und die Kommunikation, das Um und Auf, läuft wie  von alleine.
Richitg gute Teams erkennt man oft daran, dass diese sich fast nahtlos ergänzen und oft sofort wissen, was die Situation erfordert ohne lange gebrieft zu werden.

In 2 Wochen bin ich wieder in Wien und werde mit allen Teamleads Gespräche führen, um zu sehen, was in diesen 3 Wochen passiert ist, dass meine volle Anwesenheit erfordert hätte.
Und dann werde ich z.B.  schauen, wer meinen Part bei der Sache hätte viel besser machen können. Diese Person werde ich nach und nach aufbauen, diese Aufgabe später alleine zu entscheiden und umzusetzen und mich hier langsam rausnehmen, bzw. mich feuern.

Denn, wenn ich ehrlich bin, haben Jubin und ich genau eine Aufgabe bei whatchado … Menschen finden, die in dem was sie tun, viel besser sind als wir – und dann müssen wir sie fliegen lassen.

Ali
Koh Phi Phi, Thailand
7. Februar, 2014

Wie mir ein thailändischer Koch, fern der Heimat, die Welt erklärt

Ich bin seit ca. 5 Tagen in Thailand – ohne mein Handy weiß ich es gar nicht so genau und meine Uhr, die ich aus Wien mitgenommen habe, dürfte sich wohl auch einen Urlaub gegönnt haben.

Gerade habe ich gehört, wie endlich bekannt gegeben wurde, dass Microsoft einen neuen CEO bestimmt hat – Satya Nadella, einst einer der Helden von Sun Microsystems, seit sicher über 20 Jahren bei Microsoft, wird der neue Boss in Redmond.
Find ich gut, der Typ hat Style und steht für echte Innovation … aber eigentlich sollte mir das recht egal sein – hier in Koh Lanta, einer kleinen Insel in Thailand, die dafür bekannt ist, dass die Leute hier früh schlafen gehen.

20140206-023507.jpg

Es ist bereits mein 4. Mal in Thailand … und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es nicht mein letztes Mal gewesen sein wird.

Einmal “reboot” bitte

Das erste Mal war ich 2006 in Thailand und wurde sehr schnell in den Zauber des Landes gerissen.
Damals habe ich wenige Tage vor meinem Rückflug nach Wien bemerkt, dass ich nicht mehr als SuperDuber Berater in der IT Branche arbeiten möchte und am Strand von Koh Phangan beschlossen, dass ich meinen Job kündigen werde, um danach – als kompletter Newbie – in der Kommunikationsbranche zu arbeiten.

Klingt gerade alles sehr überlegt, dem war aber zuvor ein kompletter Zusammenbruch meiner Wertewelt (Karriereleitern, Bonis, Auto, Status, geiler Jobtitel) vorausgegangen. Ja, daran war Thailand schuld.

Ich habe keine Ahnung, aber das lerne ich auch noch

Niko Alm, Chefe bei Super-Fi, war damals echt bereit, mir die Chance zu geben, als Quereinsteiger bei ihm zu starten.
Dem vorausgegangen war eine Email von mir, in der ich ihm schrieb, dass ich keine Ahnung von Kommunikation habe, aber alles lernen kann und dass ich es unbedingt möchte.

“Irgendwas mit Social Media und Digital” wollte ich machen – hatte aber keinen Tau, wie komplex das werden wird, wusste ich nicht mal die Standard-Größen von Onlinebannern.

Im Nachhinein betrachtet war das “Bootcamp a la Alm” (einmal habe ich ca. 72 Stunden im Büro verbracht – ohne Duschen :-) genau das Richtige – oder ich hatte nur verdammt viel Glück – und ich nach knapp 2,5 Monaten Projektleiter für digitale Projekte bei RedBull Mobile und Hutchison.

War eine echt geile Zeit, die nur mehr von der Umsetzung meines “Freizeitprojektes” whatchado getoppt wurde.
Niko sagte mir noch, dass ich der Sache ruhig in meiner Freizeit nachgehen soll, solange es meinen Job nicht behindert.
Tja, im Endeffekt habe ich Oktober 2011 bei ihm gekündigt, um whatchado als “echte Firma” zu gründen. Mitgenommen habe ich Niko dann auch gleich – heute ist er Business Angel bei whatchado.

Das ich mal einen Politiker (Niko ist bei NEOS in Wien an vorderster Front) dabei haben würde, hätte ich mir nicht gedacht – aber meine Lehrer dachten wohl auch nie, dass aus mir, der zwischen seinem 13. und 19. Lebensjahr stotterte, mal ein Unternehmensgründer wird, der an Schulen und Unis Vorträge über die richitge Berufswahl hält.

Und begonnen hat damals alles in Thailand

Eine Bekannte hat mich vor Kurzem gefragt, ob man derzeit sicher nach Thailand reisen kann – bekanntermaßen kämpfen derzeit (wieder) die Rothemden gegen die Gelbhemden um die Vormachtstellung in Thailand.
Austragungsort: Bangkok
Meine Antwort war die, die man hier seit Wochen hört: halt dich fern von Menschenansammlungen, meide Demonstrationen und gehe um Himmelswillen nicht zu einer Kundgebungen. Dann sollte es sich gut ausgehen. 

Auch wenn es hier bei den Ausschreitungen schon Tote gab … hier in Koh Lanta fühlt es sich mit den Unruhen an wie in Meidling im schönen Wien – dem Ort, wo ich wohne … ganz weit weg und “irgendwie nicht meine Baustelle”.

In knapp 1,5 Wochen wird dies anders aussehen, wenn ich selbst 4 Tage in Bangkok verbringe.
Dann wird sich alles nur mehr um dieses Thema drehen, während ich in irgendeinem Cafe sitze und einen Fruchtshake in mich runterleere und mich wie immer wundere, wie billig es hier in Thailand ist, um dann den Euro wieder hochleben zu lassen.
Um ein Bild zu bekommen: ein warmes sättigendes Gericht am Strand kostet hier im Durschnitt 2-3 EUR.

Zwischen Thailand und Wien sind 6 Stunden Zeitverschiebung und gute 10 Stunden Flugzeit – geht man hier auf die Straßen, ist es eine andere Welt.
Die Menschen, die Temperaturen, das Essen, der Verkehr, die Zeit, der Himmel, der Geruch … alles ist anders, hat aber trotzdem – oder gerade deshalb – genau die richtige Mischung und Eleganz, die uns Europäer in den Bann zieht.

Ich komme hier immer wieder zurück, weil es ein Ort ist, der einem aufzwingt, das eigene Leben zu challangen … vieles kann oft so einfach sein, vieles belastet ohne Grund und und und … dutzende Gedanken, wie das Leben nicht besser sein sollte.
Und in Wien vergesse ich wieder die Hälfte und falle in alte Muster :)

Wenn die simplen Dinge überraschen

Bei einem Kochkurs, den ich heute belegt habe, wurden in ca. 5 Stunden 5 Gerichte gekocht und verputzt … und ich mitten drin als Koch meiner eigene Thai-Spezialitäten. Mann, war ich gut :)
Zugegeben, der Kochkurs war für richtige Touristen und ja, ich bin in dem Fall schuldig … Touri sein hat halt echt was, auch wenn ich die Zeiten als Backpacker noch nicht abgeschrieben habe (hey, mein komplettes Gepäck diesmal für 3 Wochen Thailand hatte nicht mal 6kg).

Unser Kochlehrer – an dem ein Kabarettist und Entertainer verloren gegangen ist – erzählte uns, dass er 3-mal täglich einen Kurs hält, wobei nicht alle 5 Stunden dauern würden.

Mehr verwunderte mich, dass er dies 7 Tage die Woche macht. 

Auf die Frage, ob das denn nicht viel zu viel wäre, wenn er überhaupt kein Wochenende hat, gab er eine Antwort, die alles auf den Punkt bringt, warum wir uns selbst täglich in den Arsch treten sollten:

“Ich liebe was ich tue. Würde ich auch nur eine Stunde lang einem Job nachgehen, der mir keinen Spaß macht, wäre es ein weggeschmissenes Leben. So kann ich das, was mir Spaß macht, von früh bis spät tun und wenn ich müde bin, denke ich immer daran, dass es der beste Job der Welt ist und wie glücklich ich mich schätzen kann.”

Dieser Koch steht für all die Menschen, die ich weltweit in Regionen getroffen habe, denen es nicht so gut geht wie uns in Wien und die trotzdem – oder gerade deswegen – darüber sprechen, dass sie alle einem Beruf nachgehen (wollen), der sie durch und durch glücklich macht.

Egal ob Kuba, Indien oder in abgelegenen Teilen Thailands … überall trifft man Menschen, denen komplett bewusst ist, dass sie etwas finden müssen, dass sie glücklich macht – nicht nur nebenbei, sondern verdammt noch mal hauptsächlich.

Das Paradoxon, dass wir uns selbst auferlegen

Denke ich an Zuhause, wo mir erst vor Kurzem sogar der Geschäftsführer einer Karriereplattform sagte “ach Ali, die Leute wollen ja nur irgendeinen Job machen und den richtigen Beruf gibts für die gar nicht, das ist Wunschdenken”, werde ich unweigerlich mit all dem vergessenen Luxus und den damit verbundenen Denkschranken konfrontiert, die wir uns auferlegen:

* Wir leasen uns Autos, weil uns oft das Geld fehlt und wir zu faul sind, das beste Verkehrsnetz der Welt zu nutzen.
* Wir kaufen uns den größten Fernseher, damit wir uns danach über die Schrottsendungen auf 140 Sendern aufregen.
* Geben dutzende Euros aus, damit wir uns immer die neuesten Spielzeuge (früher als Telefon bekannt) leisten können, nur um dann wieder das Nächstbeste zu wollen
* Brechen wir uns den Arm, gehen wir ins nächste Spital – die Behandlung ist natürlich kostenlos.
* Haben wir Durst, kommt das Wasser fast schon magisch aus dem nächsten Wasserrohr und ja, wir können es bedenkenlos trinken.
* Wollen wir studieren, kostet uns das im Jahr ca. 700-800 EUR – macht in etwa die Ausgaben von 15-20 durchzechten Wochenende aus.
* werden wir arbeitslos, unterstützt uns eine der besten Einrichtungen ever, das AMS, mit Arbeitslosengeld.
* und haben wir eine kritische Meinung, können wir diese äußern, ohne dafür eingesperrt zu werden.

Gar nicht so schlecht, oder?

Wir wir unseren Tag nutzen

Wir schlafen ca. 7-8 Stunden, arbeiten ca. 8-12 Stunden (inkl. Fahrzeiten, am Abend über die Arbeit sprechen/nachdenken) und haben ca. 4 Stunden am Tag für etwas, dass sich dann “Leben” oder “Freizeit” nennt.
Bedenkt man, dass wir unter der Woche mind. die doppelte Zeit unserer Freizeit in der Arbeit verbringen, ist es schon fast lächerlich, dass wir mehr Planung und Neugier in unsere Freizeitgestaltung stecken, als sonst in die Tätigkeit, die den größten Teil unseres Lebens ausmacht.

Hilflosigkeit, der beste Freund der Bequemlickeit

Und wenn es eben darum geht, wie wir diese arbeitende Hälfte unseres Tages verbringen, setzt unsere Hilflosigkeit ein … dann sind wir Opfer, geben anderen die Schuld, dass der Job nicht so super ist und freuen uns auf das nächste Weihnachtsgeld und jeden Mittwoch schon auf das Wochenende, weil ja Montags schon die Unterbrechung der Freizeit wieder losgeht. Ach ja, und die 25 Tage Urlaub natürlich – ganz wichtig.

Selbst und ständig denkend – die Feinde aller Sicherheiten

Und denken wir an Selbstständigkeit – also daran, das eigene Tun in die Hand zu nehmen und der eigene Chef zu sein, selbst zu bestimmen, was wir tun, wann wir es tun und mit wem wir zusammenarbeiten möchten – überkommt uns die Angst, unsere Sicherheit zu verlieren – eine Sicherheit, die wir nie hatten und die sich im Grunde darum dreht, dass “sich eh wer anderer um uns kümmert” – sei es Papa Staat, die Firma oder wer zum Henker noch da ist.

Und dann komme ich nach Thailand auf eine Insel, und der erste Thai, mit dem ich mehr als 5 Minuten spreche, erzählt mir ganz selbstverständlich, dass es seine Aufgabe ist, sein tägliches Glück selbst zu bestimmen.

Tja, so ein Kochkurs in Thailand hat schon was.

Ali
Koh Lanta, Februar 2014

Marschrichtung für 2014 “Fresh, Global, Disruptive” – whatchado startet mit frischem Investment

Investoren_whatchado_2014 copywhatchado Management mit Business-Angels
obere Reihe: Lucanus Polagnoli (CFO/COO), Kambis Kohansal (CMO), Ali Mahlodji (CEO), Hansi Hansmann (Chief Angel), Jubin Honarfar (CCO)
untere Reihe: Lukas Püspök, Peter Püspök, Brigitte Ederer, Claus Raidl

Die Kurzfassung: whatchado startet 2014 mit drei neuen BusinessAngels ins Jahr und holt sich mit dem bisherigen Business-Angel, Johann “Hansi” Hansmann, drei Profis der Old-Economy mit an Board:

* Brigitte Ederer, Ex-Siemens Vorstand
* Claus Raidl, Präsident der Österreichischen Nationbank und Ex-CEO Böhler Udeholm
* Peter Püspok, Vorstand OIKO Kredit und Ex-Raiffeisenlandesbank Niederösterreich Chef

Der HORIZONT war bereits so toll, darüber zu berichten.

Die etwas längere Fassung :)

Am 2.1.2012, ging die whatchado GmbH an den Start, die Arbeitswelt und den dazugehörigne Markt zu verändern.
Zugegebenermaßen waren wir naiv genug zu denken, dass wir das “Handbuch der Lebensgeschichten” wirklich umsetzen können.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits knapp 6 Monate als Plattform aktiv und es benötigte erst den Input unseres Business-Angel, Johann “Hansi” Hansmann, die Schritte der Selbstständigkeit zu betreten.

Mit seinem KnowHow, seiner Ruhe und seinem Gespür für “fresh, global & disruptive” gingen wir vor knapp 2 Jahren und 2 Wochen an den Anfangspunkt der Laufbahn und aus dem “ehrenamtlichen” Projekt whatchado wurde die whatchado GmbH:
Neuer Deckmantel und besserer Motor quasi und unser Commitment, alles auf eine Karte zu setzen, anstatt es so nebenbei in der Freitzeit zu betreiben.

2 Jahre später befinde ich mich in einem Traum, dessen tagtäglicher Verlauf von einem fantastischen Team aus über 25 Superhelden gesteuert wird.

Wir haben in diesen 2 Jahren fast 2000* Stories aus dutzenden Nationalitäten und 5 Kontinenten eingefangen, können über 1000 Berufsbilder darstellen und haben über 300 Unternehmen besucht und sind operativ mittlerweile in 3 Ländern tätig.
(*zur Info: online sind derzeit nur ca. 1300 Stories – der Rest wird nach und nach online gestellt)

Unsere Vision war immer eine globale, der Grund dahinter recht einfach:

Kein Mensch hat sich ausgesucht, wo er oder sie jemals geboren sein möchte – und trotzdem haben wir alle nur ein Leben, dass es auszukosten gilt. Und ja, einen Großteil unseres Lebens und unseres Tages macht die Arbeitswelt aus – ob wir wollen oder nicht.

Wir bei whatchado glauben daran, dass jeder Mensch das Recht darauf haben sollte, die eigenen Möglichkeiten zu kennen. Unser Weg dahin führt über 4-Augengespräche mit Menschen, die bereits einen Weg eingeschlagen haben und als Inspiration für den eigenen Weg gelten können:
Der Mensch ist und bleibt nun mal der beste Botschafter und eben auch das beste Fundament für Inspiration.
Um als Plattform die bestmögliche Quelle für Inspiration zu werden, brauchen wir Content aus der ganzen Welt – daher MÜSSEN wir global agieren, um sicherzustellen, dass wir den globalen Informationsgap schließen.

What’s the plan for 2014?

Wir sind Ende 2013 zwar international tätig gewesen:

- waren in New York bei der UNO
- in Dubai bei Unternehmen
- ich bin als EU Jugendbotschafter ernannt worden
- und wir haben bereits 150 Stories, die englischsprachig sind

von global sind wir trotzdem noch ein Stück entfernt.

2014 soll sich dies ändern:

Wir sind jung, wir sind hungrig und wir haben viel vor und ja, wie sind jung (ich weiß, hab ich schon mal gesagt) … und genau deshalb brauchen wir in dieser Phase das richtige KnowHow und die richtigen Entscheidungen – und natürlich auch finanzielle Ressourcen. Wir können unser Tagesgeschäft selbst am Laufen halten, aber eine Expansion, wie wir sie planen, geht Hand in Hand mit Investitionen, die es zu tätigen gilt.

Ende 2013, nach kurzen Gesprächen, war für uns recht klar, dass wir nur auf “smart money” setzen möchten: also die beste Kombination aus Investment und starkem KnowHow.

Recht schnell wussten wir auch, wen sich whatchado als Investoren für die Zukunft wünscht:
* Brigitte Ederer, Ex-Siemens Vorstand
* Claus Raidl, Präsident der Österreichischen Nationbank und Ex-CEO Böhler Uddeholm
* Peter Püspok, Vorstand OIKO Kredit und Ex-Raiffeisenlandesbank Niederösterreich Chef (inkl. seinem Sohn Lukas und seinem Bruder Paul)

Alle drei sind Topprofis in ihrem Bereich und eine mehr als große Bereicherung für das noch sehr junge Team von whatchado.
November 2013 begannen die Gespräche und es wurde statt eines Heiratsantrages unsererseits eine Trippelhochzeit mit allen drei Investoren … und ja, wir sind verdammt glücklich und über beide Ohren in unsere neuen Business-Angels verliebt.

Zahlen & Infos gefällig?

Investmentsumme?
der eine nennt es einen hohen 6-stelligen Betrag – andere nennen es einen knappen 7-stelligen Betrag. De facto liegt die Wahrheit genau dazwischen.

Auswirkungen auf das Management?
whatchado bleibt in der Hand der Gründer und wird auch operativ ganz normal wie bisher weitergeführt. Die neuen Investoren sind Business-Angels und nicht vergleichbar mit VC’s, denen sehr oft die Totalkontrolle einer Company am Herzen liegt.

Was passiert mit Österreich als Heimmarkt?
Wir sind Österreicher und daran wird sich nichts ändern. Österreich ist unser Heimatmarkt und das soll auch so bleiben. Daher haben wir uns bewusst für österreichische Business-Angels entschieden. Österreich hat nachhaltige Qualität und das soll sich in unseren Entscheidungen wieder spiegeln.

Wir werden natürlich wie bisher stark mit österreichischen Unternehmen zusammenarbeiten, da uns der Arbeitsmarkt in Österreich sehr am Herzen liegt und wir zuerst vor unserer eigenen Tür kehren wollten.

Und Deutschland?
Ja, wir sind Fans von Deutschland und wir hatten das Glück, dass sich im Laufe des vergangenen Jahres sehr tolle Kooperationen mit Unternehmen aus Deutschland ergeben haben. Diesen guten Start möchten wir mit dem Investment natürlich fortsetzen.
Zum Einen natürlich mit dem Ausbau der Plattform, aber auch mit personellen Ressourcen – am Ende des Tages sind wir ein “Peoples Business” und genau da möchten wir gut aufgestellt sein.

Und die ganze Welt?
Ja, die steht auf der Roadmap und wird … um es vorsichtig auszudrücken … gerade evaluiert :)

Für Jubin und mich als Founder ist dieser Schritt nach der Firmengründung vor 2 Jahren sicher der Größte und für das whatchado Team ein fantastisches Feedback für unsere bisherige Arbeit und ein Riesenvertrauen in unsere Zukunft.

Und wir sind stolz, dass wir diesen Weg mit echt tollen Menschen gehen, die whatchado nicht nur verstehen, sondern auch an unsere Mission glauben.

Danke!

Gleichzeitig muss ich unserem Business-Angel der ersten Stunde und unseren Neuinvestoren zu so viel Mut gratulieren: ein StartUp ist ein Risiko und zwar ein sehr hohes – es fühlt sich oft so an, als würde man aus einem Flugzeug springen und am Weg nach unten den Fallschirm bauen.
In solch ein Manöver zu investieren benötigt Weitsicht und die richtige Erfahrung.

Egal wie cool das Investment ist und wie sehr wir uns alle freuen – ein Investment ist immer ein Vorschuss auf die Zukunft und diesem gilt es gerecht zu werden. Das schulden wir unseren Usern, unseren Investoren, unseren Firmenpartnern und Kooperationspartnern … und natürlich uns selbst.

2014, das wird richtig GEIL!
ROCK ON!

Ali und Jubin für das whatchado Team!

 

Wir werden erwachsen oder “die Evolution durch die Besinnung auf back to the roots”

whatchado gibt es seit der Gründung fast genau 22 Monate – zwar hält manche Ehe nicht mal so lang, aber für ein StartUp, dass erwachsen wird, ist es quasi schon das Ende der Pubertät.

3640_10152487107896029_180611398_n

Ja, richtig gelesen – wir werden, ob wir wollen oder nicht, erwachsen. Die Spielregeln, mit denen wir von Anfang an bei der GmbH Gründung am 22.1.2012 konfrontiert wurden, waren zwar die der erwachsenen Welt, als “new kid on the block” hatten wir aber den Bonus, den man sich als StartUp nehmen darf:

  • Naivität hoch 10,
  • disruptives Verändern einer bestehenden Branchen,
  • Chaos vs Tempo vs hemdsärmliges “tun wir mal”,
  • probieren, probieren, probieren und sich nicht immer festlegen,
  • Spieltrieb von 12-jährigen

Was sich ändert, wenn man als StartUp erwachsen wird:

  • Naivität pendelt sich bei hoch 3 ein,
  • das Disruptive muss dem Anfangstempo der ersten Stunde stand halten und sich im langfristigen Businessmodell wieder finden,
  • Prozesse und Strukturen müssen eine Liebesbeziehung mit bestehendem Tempo und der “Hemdsärmel hoch”-Mentalität eingehen, wobei Chaos als Kreativitiätstool sehr wohl bestehen bleiben darf – aber eben gesteuert und gewollt, nicht mehr als tagtäglicher Begleiter,
  • Spieltrieb von 12-jährigen ist ein “must”, sonst wird man irre.

Die Geister, die ich rief

Was in diesem Prozess oftmals auftritt ist, dass jede Tür, die man öffnet, weitere 100 Türen (gefühlt) aufstößt, die einem alle (wirklich alle) offen zu sein scheinen. Aufgrund begrenzter personeller, als auch zeitlicher Ressourcen, kommt man rasch drauf, dass nicht alle Türen mit der selben Intensität betretbar sind – auch wenn man sich das selbst anfangs aufgrund der Energie, die man aus der Euphorie zieht, nicht zugestehen möchte.

Fokus, dein bester Freund

Wenn es eine Sache gibt, die ich anders machen würde, dann wäre dies die bewusste Akzeptanz von Fokus auf die Dinge, um die es geht.

Und ja, ich würde in meinem Leben sonst nie etwas noch mal anders machen wollen – schließlich bin ich hier, wo ich bin, weil ich alles genauso gut und/oder schlecht gemacht habe, wie es eben bisher der Fall war … außer dieses eine Ding, der Fokus.

Der Umstand, dass mein Tag nur 24 Stunden hat (übrigens genauso lang wie der von Bill Gates, Angela Merkel, Mahatma Ghandi, Barack Obama und sogar Tim Ferris) und ich seit meinem 24. Lebensjahr täglich ca. 5-6 Stunden schlafe, führt dazu, dass ich täglich um die 18-19 Stunden aktive Zeit erlebe, von denen ich mich sicher 10-12 Stunden nur mit whatchado (oder davor anderen beruflichen Themen) beschäftige.

Das schließt aber natürlich alles mit ein, sowohl die aktive Arbeit, als auch das passive Nachdenken über Themen – begonnen von klassischen Geschäftsführungstätigkeiten bis hin zu einer Idee für eine neues Design. Ob ich möchte oder nicht, 50-60% meiner wachen Zeit, denke ich an meinen Job (aka Berufung, aka younameit).

In der restlichen Zeit, die dann noch ca. 6-7 Stunden ausmacht und von der ich netto wirklich nur 4,5 Stunden verwenden kann, kümmere ich mich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben:

  • Freunde
  • Familie
  • Suche nach dem Sinn des Lebens, hahahaha – nein, eigentlich nach der Suche nach neuen Reisezielen
  • meine Couch

Eat it, there is no plan B

Worauf ich hinaus möchte ist, dass wir im Leben nur sehr wenig Zeit haben und jegliche Verschwendung eine Wegschmeissen eines Geschenks ist. Warum/weshalb wir auf der Welt existieren … mit dieser Frage habe ich mich das letzte Mal mit 19 Jahren beschäftigt und für mich festgestellt, dass es echt nur um Spaß geht und seitdem ist die Diskussion für mich erledigt. Schließlich hat mich auch nie jemand gefragt, wo ich geboren sein möchte.

Steve Jobs sagte mal treffend

No one wants to die. Even people who want to go to heaven don’t want to die to get there. And yet death is the destination we all share. No one has ever escaped it. And that is as it should be, because Death is very likely the single best invention of Life. It is Life’s change agent. It clears out the old to make way for the new. Right now the new is you, but someday not too long from now, you will gradually become the old and be cleared away. Sorry to be so dramatic, but it is quite true.

Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking. Don’t let the noise of others’ opinions drown out your own inner voice. And most important, have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary.

back to Focus

Fast hätte ich es schon wieder vergessen, den Fokus dieses Posts :)

Der Fokus auf eine Sache hat viele Vorteile, die abseits von falschem Ehrgeiz und Sturheit liegen:

  • Fokus erzwingt Priorisierung
  • Fokus filtert aus, was nicht notwendig ist
  • Fokus hilft beim Erkennen der “notwendigen” Schritte
  • Fokus hilft beim Einteilen der Ressourcen in Bezug zum gewünschten Ziel

Als wir mit whatchado begonnen haben, war das Ziel recht klar:

Jedem Menschen auf der Welt aufzuzeigen, welche Wege einem – ungeachtet des Alters, der Herkunft und des Geschlechts – offen stehen.

22 Monate und viele offene Türen später – an der Schwelle zum erwachsen werden – muss man sich die Frage stellen, warum man das alles eigentlich macht, gemacht hat und was man noch machen will (diese Fragen der Reflexion sind eigentlich immer wieder angebracht, damit man … hahaha, den Fokus und die Mission nicht aus den Augen verliert).

Wenn ein guter Freund einen wieder erinnert

whatchado 1. KameraHeute habe ich zufällig (nein, ich glaube nicht an Zufälle und an Schicksal schon gar nicht) meine erste Kamera wieder gefunden.

Es war die Kamera, mit der Jubin, Stefan und ich komplett naiv begannen, Menschen über ihr Leben zu interviewen. Armin Wolf, Toni Polster und gut 100 weitere Personen mussten damals die 7 whatchado Fragen in diesen 400 EUR Canon Camcorder inkl. 9 EUR Mikrophon sprechen.

Plötzlich war ich wieder hineinversetzt in das Gefühl, als ich damals – ohne Website, ohne Prototyp oder sonst etwas handfestem – wildfremden Menschen von der Idee erzählte, dass Wikipedia der Lebensläufe bauen zu wollen, und sie bat, mir etwas über ihr Leben und ihren Werdegang zu erzählen.

Als ich die Kamera wieder fand, war für mich wieder alles klar – der Fokus war wieder da und ich wusste wieder, warum wir damals fast ein Jahr lang ehrenamtlich jeden Sonntag an der Idee gearbeitet hatten und auch ohne Einnahmen felsenfest davon überzeugt waren, das Baby whatchado groß zu machen.

Fokus durch Besinnung auf “back to the roots”

Wie ich im Post schon erwähnt habe; hat uns niemals jemand gefragt, wo wir geboren werden möchten und wer unsere Eltern sein sollen – und laut OECD haben wir in Europa eine Lebenserwartung von ca. 81 Jahren, macht also nach Abzug unserer ersten 18 Jahre in elterlicher Obhut ca. 60 Jahre aus, die wir selbst bestimmen können.

Und wir haben genau dieses eine Leben lang Zeit, ein erfülltes Dasein anzustreben – egal in welchem Lebensabschnitt – und wir wissen alle, dass es keinen Plan B gibt.

Sich immer wieder zu besinnen, warum man mit etwas begonnen hat – egal wie lange es zurück liegt – hilft uns, unseren Fokus wieder zu finden.

Back to the roots kann manchmal bedeuten, den Kern einer Sache ohne die “neuen Türen, die sich aufgemacht haben” zu erkennen, bzw. habe ich gelernt, mir selbst immer wieder mit der Frage “woran habe ich damals gedacht, als ich mit whatchado begonnen habe” zu stellen.

whatchado war immer dafür gedacht, allen Menschen – nicht nur Kindern und Jugendlichen – auf dieser Reise zu helfen. Und das wird auch jetzt, wo wir erwachsen werden, unsere Zielsetzung sein. Nur mit etwas weniger Chaos, (bisschen) mehr Struktur, aber hoffentlich genauso verspielt und mit einer Naivität, die es benötigt, um das Leben und festgefahrene Wege nicht zu ernst zu nehmen. Aber um nachhaltig erfolgreich zu sein, müssen wir unser Ziel wieder fokussieren und diesem alles unterordnen:

NY, Dubai und Brüssel – mehr als nur ein Traum

Ali Mahlodji und Jubin Honarfar in New York bei Peter Launsky-Tieffenthal, UNO

Ich sitze gerade in Washington (lustige Stadt, bisschen viel Security) und bekomme seit Tagen Anfragen, warum WHATCHADO derzeit in den USA ist, bzw. was wir vor Kurzem bei der UNO in New York gemacht haben.

Da ich meinen Blog eh schon seit einer Ewigkeit starten wollte, nehme ich das jetzt einfach mal als Anlass und schriebe hier über alles, was sich derzeit bei uns tut und mit dem Kapitel USA fange ich gleich an.

Jubin und ich waren erst kürzlich in New York bei der UNO, werden in Kürze nach Dubai weiter und ich bin Ende des Monats in Brüssel bei der EU.

Tja, und das alles trotz massiver Flugangst. Warum wir uns das antun? Naja, Eminem rappte 2002 schon richtig

You only get one shot, do not miss your chance to blow. This opportunity comes once in a lifetime.

Naivität ist alles

Als ich mit 14 Jahren die Idee zu WHATCHADO hatte und Anfang 2012 mit Jubin, Stefan, Manuel gründete, wollten ich immer, dass diese Idee die ganze Welt erreicht und ein Handbuch der Inspiration wird, dass Menschen jeden Alters hilft, ihre Berufung zu finden.

Glücklicherweise waren damals meine Co-Founder genauso naiv wie ich und dachten, dass sich das echt ausgehen könnte.

Knapp 14 Monate nach der Gründung erreichen wir monatlich über 100.000 User und schaffen mittels des WHATCHDAO Interessensmatchings das, was wir immer wollten: Menschen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht und äußeren Einflüssen – näher zu bringen, was sie mit ihrem Leben anfangen können. Und zwar eben durch die 4-Augen-Stories von anderen Menschen, mit denen die selben Interessen und Neigungen geteilt werden.

Oft genug stehen wir in unserem Büro beieinander und können es kaum fassen, was sich in dieser kurzen Zeit getan hat. Nach über 1000 Stories, die wir eingesammelt haben, über 50 Unternehmen und über 20 Partner, die an uns glauben und einem unglaublich tollen Team von über 20 Helden hören wir oft genug, dass wir “es geschafft hätten”. Und manchmal komme ich in Versuchung es auch fast zu glauben. Aber eben nur fast.

So, what’s next?

Ideen sind nur so gut wie deren Umsetzung. Bei meinen Vorträgen zu StartUp Themen predige ich gerne, dass Ideen nur 1% des BigPicture sind. Die echte Kunst liegt in den restlichen 99% der Umsetzung. Darauf kommt es an, aber leider ist dies der Part, der oft vergessen wird.

Nun, ich habe vorhin erwähnt, dass WHATCHADO immer dafür gemacht war, Menschen - unabhängig von Herkunft, Geschlecht und äußeren Einflüssen – ihrer Berufung näher zu bringen. Und da es in der heutigen Welt gut sein kann, dass die eigene Berufung grenzübergreifend zu finden ist, wäre es von uns vermessen zu behaupten, dass wir unsere Mission auch nur annähernd erfüllt hätten.

Mein Lieblingsszenario ist ja, dass eine Person in Österreich, egal ob 14, 24 oder 34 Jahre alt, durch unser Matching und der Story einer anderen Person auf WHATCHADO, die irgendwo auf der Welt lebt, herausfindet, was er oder sie alles mit dem eigenen Leben anfangen kann und dadurch die eigene Perspektive erweitert.

Und um das zu erreichen, brauchen wir Stories aus der ganzen Welt.

Wenn man bedenkt, dass wir nie gefragt wurden, wo wir geboren werden möchten, aber nur 80-100 Jahre zu leben haben und in dieser Zeit unser (berufliches und privates) Glück finden sollen, liegt es auf der Hand, dass wir eine Art Landkarte oder eine Übersicht brauchen, die uns aufzeigt, was wir weltweit alles machen können. Und genau diese Lücke soll WHATCHADO ja schließen und genau daher sind wir im Mai auf 3 Kontinenten unterwegs, um Kooperationspartner und Gleichgesinnte zu finden:

1. Station: Anfang Mai – UNO Headquarter, New York bei Peter Launsky-Tieffenthal, Leiter der Presseabteilung der Vereinten Nationen

Wir hatten das irre Vergnügen, WHATCHADO am 1. Mai in New York dem Leiter der weltweiten Kommunikation der UNO und weiteren 6 Personen aus dem Bereich Kommunikation und HR vorzustellen. Die UNO kennt jeder Mensch, was die UNO genau macht, bzw. die Menschen dahinter, ist aber vielen nicht bekannt. Und genau hier kommen wir ins Spiel.

UNO New York

Das Meeting dauerte doch 1,5 Stunden und Anknüpfungspunkte gibt es mehr als genug, welche in den kommenden Monaten in Follow-Ups bearbeitet und evaluiert werden.

Ali und Jubin beim neuen Sicherheitsrat

Jubin und ich beim neuen, noch nicht eröffneten, Sicherheitsrat

Für Jubin, mich und das ganze Team war es das bisher größte Highlight unserer jungen StartUp-Geschichte. Wir haben definitiv gesehen, dass WHATCHADO ein internationales Thema ist und dass wir mit unseren Kommunikationskonzept, bestehend aus individuellem Social-Match, geführtem Storytelling und Gleichbehandlung auf Augenhöhe Probleme und Herausforderungen lösen können, der heute viele Organisationen und Unternehmen gegenüber stehen.

4aa04c15cca9a073b9c5af2c840c328b3db61db3New York ist eine unglaubliche Stadt und dass der Leiter der Kommunikation der UNO ein Österreicher ist, hat uns echt stolz gemacht: Peter Launsky-Tieffenthal, ehemaliger Sprecher des Außenministeriums, und seit Mai 2012 ranghöchster Österreicher bei der UNO hatte sich mit seinem Team echt lange Zeit genommen um mit uns über mögliche Anknüpfungspunkte zu diskutieren.

Glücklicherweise haben wir gesehen, dass unsere Ambitionen, die Plattform international auszurichten (jaja, Update in Kürze), genau zur richtigen Zeit kommen und auf offene Ohren stoßen. Ich werde hier in Zukunft öfters Updates geben, wie es bei der Zusammenarbeit mit der UNO weitergehen wird.

Aber jetzt mal zur nächsten Station, die WHATCHADO im Mai noch erwartet.

2. Station: Mitte Mai – Dubai, 8th Annual Human Assets Expansion Summit MENA

Zurück aus New York geht es für WHATCHADO gleich danach nach Dubai zur 8th Annual Human Assets Expansion Summit MENA:

The 8th Annual Human Assets Expansion Summit MENA 2013 aims to connect HR professionals from leading organisations in the region and recognise individuals and organisations for excellence in the HR function.The three days are designed to facilitate knowledge sharing regarding the most pressing issues facing HR professionals in the region.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie blöd wir geschaut haben, als die Veranstalter uns als Speaker zur Konferenz eingeladen haben :)

Wir sind eingeladen worden, über WHATCHADO und Employer Branding im globalen Recruiting zu sprechen und mit zu diskutieren. Weiters werden wir dort auch den größten Workshop zum Thema Employer Branding mit ausgewählten HR Experten des asiatischen Raumes leiten.

Jubin wird im Zuge dessen in Dubai an allen 3 Tagen aktiver Teil des Summit sein und vor Ort das Haus rocken – solange sie ihn lassen :)

3. Station: Ende Mai – Brüssel, European Youth Week 2013

Ich war recht baff, als ich Anfang des Jahres erfahren habe, dass ich als European Youth Ambassador nominiert bin und daher nach Brüssel zur europäischen Jugendwoche eingeladen bin, um dort mit Vertretern der EU über den Jugendarbeitsmarkt Europas und unseren Ansatz bei WHATCHADO zu diskutieren. Was ich jetzt schon weiß, werden Vorträge und Podiumsdiskussionen sich abwechseln :)

Zu verdanken habe ich die Nominierung und die Einladung der österreichischen Initiative “Jugend in Aktion”, die bereits 2011 WHATCHADO bei den ersten ehrenamtlichen Schritten unterstützt hat und der wir sehr viel verdanken.

Mein Part wird unter Anderem sein, WHATCHADO als Vorzeigeprojekt für ein gemeinsames Europa zu positionieren. Als geborener Perser mit wiener Dialekt, der in Österreich ein neues Zuhause gefunden hat und der sich seit seiner Jugend als Europäer sieht, ist mir dies eine riesengroße Ehre, der ich hoffe, gerecht zu werden.

Stellt euch mal vor, WHATCHADO wird als Kommunikationskonzept in mehreren Ländern weltweit eingesetzt und in Anbetracht der örtlichen Herausforderungen ausgebaut … wär schon sehr cool, oder?

Mal schauen, wie weit das WHATCHADO Team kommt :)

Step by Step – vom Hudeln kommen die Kinder

Doch bevor wir die ganze Welt erobern, haben wir in Österreich und bei unseren Nachbarn noch genug zu tun, müssen hier WHATCHADO noch stärker ausbauen und besser machen und werden die deutschsprachigen Länder in den kommenden 6-12 Monaten mit einigen Neuigkeiten überraschen, die unsere Ambitionen untermauern.

Mich würde es sehr interessieren, wie ihr unsere Ambitionen seht. Irre, größenwahnsinnig oder doch am richtigen Weg? Bitte tobt euch aus, freue mich über jedes Feedback, solange konstruktiv und ehrlich.

Danke!